Wer zum Teufel ist Alice?

Smokie von heute ist genau genommen eine Coverband. Aus der Gründungsformation ist nur noch Bassist Terry Uttley (links) übrig geblieben. Rechts neben ihm Sänger Mike Craft und Gitarrist Mick McConnell, hinten Keyboarder Martin Bullard. Bild Hirsch
Kultur
Burglengenfeld
28.04.2015
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Viele kommen nur wegen eines einzigen Liedes. Es handelt von einer Frau namens Alice und einem Menschen, der 24 Jahre mit ihr Tür an Tür wohnt. Es erklingt erst ganz zum Schluss an einem Abend, der zurück führt in die Glitzerwelt des Pop-Rocks der siebziger Jahre.

Das also ist Smokie. Darf man sagen, dass es sich um eine Coverband der einstigen Gründungsformation handelt? Man darf. Denn aus der alten Garde erscheint nur noch Bassist Terry Uttley. Macht nichts: Das Veranstaltungszentrum in Burglengenfeld ist voll, die Hütte soll beben. Tut sie aber vorerst nicht. Denn zunächst geschieht Seltsames.

Frühe Pause

Die fünf Männer droben auf der kleinen Bühne machen schon nach 35 Minuten Pause. Es gibt "I'll meet you at Midnight", "Wild Horses" dürfen traben und eine eher müde Fassung des Shirelles-Hits "Will you still love me tomorrow" erklingt. Die Stimmung hält sich in Grenzen. Ein in der Tat merkwürdiger Start.

Also hinaus in die Pause. Doch danach geht's endlich so ab, wie es die Smokie-Fans wünschen. Mit einem Sänger, der Mike Craft heißt. Chris Norman, der bis 1986 mit dabei war, kann er nicht ersetzen. Aber das ist Schicksal vieler Bands. Wenn der Frontmann die Segel streicht, wird's schwer, ihn zu ersetzen. Craft allerdings, das muss man ihm bestätigen, gibt sich redlich Mühe.

Die Smokie-Hitparade ist schier unerschöpflich. "Mexican Girl", "Lay back in the Arms of someone", "Boulevard of broken Dreams", "For a few Dollars more". Smokie von einst schlug eine breite Schneise ins Saturday Night Fever der Disco-Musik. Das Nachfolge-Team bemüht sich, Schritt zu halten. Den Leuten in der Saal-Sauna gefällt das.

Doch dann gibt es zwei Songs, die besser ungespielt geblieben wären. Erst "Needles and Pins", bei dem Chris Norman gesanglich schon damals Mühe hatte, an das Original heranzureichen. Es stammt von den Searchers und repräsentierte eine Klasse, die von Smokie nie erreicht werden konnte. Weder damals noch heute. Ähnliches gilt, wenn sich eine Band an Kompositionen von John Fogerty und seiner CCR (Creedence Clearwater Revival) heran wagt. "Have you ever seen the Rain?", lautete die Frage. Antwort: In solch seichter Form noch nicht.

Offene Frage

Gleichwohl: Ein durchaus amüsanter Abend. Mit "Living next Door to Alice" als Zugabe. Beifall für Terry Uttley (Bass), Mike Craft (Gesang), Mick McConnell (Gitarre), Martin Bullard (Keyboard) und Steve Pinnell (Schlagzeug). Sie geben sich Mühe, die alten Zeiten am Leben zu erhalten. Mit der noch immer offenen Frage: Wer zum Teufel ist eigentlich Alice?
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