Auch im gesetzteren Alter weiß die Spencer Davis Group noch zu überzeugen - Publikum kann alle ...
Drei Rentner und ihr Rock 'n' Roll

Eddie Hardin (von links), Pete York und Spencer Davis waren trotz kleinerer Altersschwächen beim Konzert im VAZ in Burglengenfeld immer noch ein Ohrenschmaus. Bild: Gebhardt
Lokales
Burglengenfeld
07.03.2015
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Die Musik kommt mit der Wucht eines Orkans daher. Nichts hat sich geändert über all die Jahre hinweg. Die Seniorenriege mit den klangvollen Namen Spencer Davis, Pete York und Eddie Hardin lässt ihren Rock 'n' Roll gigantisch anbranden und schiebt den Vorhang für eine Kulisse der Erinnerungen auf. Fehlt ihnen einer? Manchmal schon. Der Mann hat sich früh von der Spencer Davis Group verabschiedet. Er hieß Steve Winwood.

Doch irgendwie ist es gelungen, seine Stimme zu kompensieren. So tourt die Band nun schon Jahrzehnte ohne ihn. Aber Stützen und Eckpfeiler, die wie Stahlbeton in der Verankerung stecken, sind ihr geblieben.

Spencer Davis schwächelt

Und nun ein Konzert im Veranstaltungszentrum (VAZ) Burglengenfeld. Vor einem Publikum, das alle Hits mitsingen kann. Zum Beispiel "Keep on running", das es zum Start in einen furiosen Abend gibt. Es ist, wie sich herausstellt, nicht die Nacht von Gruppengründer Spencer Davis. Der müht sich redlich, kann aber längst nicht mehr Schritt halten mit seinen Kumpels Eddie Hardin und Pete York. Es gab in der Rockgeschichte viele gute Drummer. Keith Moon zum Beispiel, Ginger Baker und eben dieser Pete York führten die Elite-Liste an. York sitzt noch heute an der - wie sie einst Ringo Starr nannte - "Schießbude". Allein er ist das Eintrittsgeld wert. Weil er nicht eindrischt, sondern kunstvoll die Rhythmen erarbeitet. Drei Meter neben ihm Eddie Hardin. Er zählte immer zu den besten Keyboardern, brauchte die Konkurrenz von Rock-Heroen wie Brian Auger und Gary Brooker nicht zu scheuen. Wenn dann Hardin und York gemeinsam auf einer Bühne stehen, wird jede Minute zum Erlebnis. Dafür sorgen auch Gitarrist Steff Porzel und Bassist Armin Donderer. Die Spencer Davis Group hatte Hits, mit denen sie sich seinerzeit vor die Beatles und die Rolling Stones setzte. Es gibt sie alle in diesen zweieinhalb Stunden. "I'm a Man" und "When I come home", "Every little bit hurts" und schließlich ganz zum Schluss "Gimme some Lovin'". Das muss sein. Doch die Höhepunkte werden sehr überlegt dazwischen eingestreut. Hardin und York, die einst auch als Duo Erfolge feierten, glänzen mit diversen Griffen in die Schatztruhe der Zeit zwischen 1969 und 1975. Oder Steff Porzels "House of the rising Sun", das einen markanten Kontrapunkt zu Eric Burdons Original setzt.

"Unfassbar gut"

Der Meister selbst, Namensgeber der kraftvoll wie eine römische Legion marschierenden Rock-Combo, hält sich an seiner Gitarre fest. Spencer Davis, ein freundlicher Senior, tritt nur einmal so richtig ins Rampenlicht. Mit Eric Claptons "Tulsa Time". Da ist nicht viel falsch zu machen angesichts einer ihn begleitenden Truppe, die den Rock perfekt beherrscht.

Gebeugter Rücken, schwächelnde Hüftgelenke, "die Krankenschwester wartet draußen", wie Pete York ätzend scherzt. Doch das, was York, Hardin und Davis zu bieten haben, ist reif für die "Rock'n'Roll Hall of Fame". Schier unfassbar gut, diese Rentnerband.
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