Franz Joseph Vohburger spielt nicht mehr bei Geisterwanderungen mit
Sagenhafter Abschied

Franz Joseph Vohburger sagt Servus. Nach 33 Jahren hört er auf, bei den Geisterwanderungen mitzuspielen, die er und ein Freund initiiert haben. Bild: doz
Vermischtes
Burglengenfeld
22.07.2016
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Als Franz Joseph Vohburger über sein Engagement spricht, hätte er wohl kein besseres Zitat wählen können, als das aus dem "Zauberlehrling" von Goethe: "Die Geister, die ich rief, werde ich nicht mehr los." Dennoch trifft der Spruch seit kurzem nicht mehr zu. Denn nach der 100. Aufführung hört Vohburger auf, bei der Geisterwanderung mitzuspielen.

Heute zweifelt keiner mehr daran: Der 74-jährige Vohburger ist der "Sagenerzähler der Oberpfalz". Diesen Ruf hat er sich über Jahrzehnte aufgebaut. Sagenhaft klingen aber schon die Anfänge: Der kleine Franz Joseph wächst bei seinen Großeltern auf, die kein Radio hatten, Fernseher sowieso nicht. Also erzählen Oma und Opa ihrem Enkel Geschichten. Geschichten, in denen immer die Burg Stockenfels die Hauptrolle spielt.

Wehmütig und stolz


Als sein Großvater ihn zum ersten mal mit auf jene Burg nimmt - damals ist er fünf Jahre alt - entsteht eine lebenslange Liebe. Jene zu Geschichten und Erzählungen - vorwiegend, wenn sie mit Burgen zu tun haben. Seine Frau sage immer, dass er die Burg mehr liebe als sie, verrät Vohburger. "Wenn ich so überlege: Stockenfels hat mir noch nie widersprochen", erzählt der 74-Jährige mit einem verschmitzten lächeln.

Nun hört er also auf, bei der Geisterwanderung mitzuspielen. Nach 33 Jahren. Es ist, um im Sprachbilde zu bleiben, ein sagenhafter Abschied. Zum einen sei er natürlich wehmütig. Allerdings wisse er nicht, wie er nächstes Jahr beieinander sei, wenn er dann 75 Jahre alt ist. "Jetzt klappt noch alles wunderbar", sagt Vohburger, zitiert aber gleichzeitig den alten Spruch: "Man sollte aufhören, wenn es am schönsten ist." Zum anderen sei er stolz auf das Geleistete.

Vohburger hat es nie ganz zur Routine werden lassen, wenn er in eine Rolle schlüpfte, "sonst wird es langweilig und ist nicht mehr vermittelbar". Beim Jubiläum, der 100. Aufführung, hat er ein letztes Mal mitgespielt. Schließlich habe er von den Anfängen und der Entwicklung berichten müssen.

Davon erzählt er auch unserer Zeitung: Alles begann vor über drei Jahrzehnten mit ein paar Flaschen Sekt. "Entstanden ist die Geisterwanderung unter größter Missbilligung des Altlandrats Schuierer, der als sparsamer Mensch bekannt ist", verrät Vohburger. Wenn er das sagt, meint er es respektvoll. Schließlich war Vohburger 20 Jahre lang Pressesprecher des Altlandrates. Gemeinsam haben sie, vor allem zu Zeiten der WAA-Proteste, zahlreiche Kämpfe gefochten. Als nun Schuierer seiner Zeit bei einer Sportlerehrung eine Rede hielt, ließen sich Vohburger und der mittlerweile verstorbene damalige Geschäftsleiter der Stadt Nittenau, Hans Bauer, besagten Sekt schmecken. Sie bestellten sich eine Flasche, eine zweite, eine dritte, eine vierte. "Immer im Blickwinkel des knickrigen Altlandrates", erinnert sich Vohburger. Er und Bauer fragten sich, was die Region präge und kamen auf Wasser, Wälder, Burgen und Geister. Schließlich entstand das Motto "Wo selbst die Geister Urlaub machen" und die Idee einer Geisterwanderung.

Sagen niedergeschrieben


Es dauerte nicht lange, bis rund 100 Männer und Frauen kundtaten, sie möchten die Aufführung sehen. "Es gab zwar die Sagen und die Wanderwege, aber keinen Text." Das löste der Burglengenfelder letztlich auch. Und so kam es zur Premiere mit "nur einer Hexe und zwei Patres", einer von Vohburger gespielt. Es gab keine Zuschüsse, keine Lautsprecher. Zum Vergleich: Heute sind inklusive Techniker über 80 Menschen an dem Spektakel beteiligt. Für Vohburger sind die Geisterwanderungen die "ungewöhnlichsten Festspiele Bayerns". Sie verbänden Kultur und Natur. Dem 74-Jährigen ist es immer wichtig gewesen, dass die Aufführungen nicht verkitschen, er wollte kein Walt-Disney-Land. Er achtete aber auch darauf, dass sie nicht in den Okkultismus abdrifteten.

Vohburger kann aus einem ganzen Fundus von Geschichten schöpfen. "Normale Burgen haben zwei, drei oder maximal fünf Sagen", erklärt er. Um die Burg Stockenfels ranken sich ganze 72. Viele davon hat der 74-Jährige selbst gehoben. Sie waren versteckt in Archiven und Kellern. "Wenn keiner mehr die Sagen erzählt, sind sie tot", sagt er. Deshalb hat er sie auch in Büchern niedergeschrieben. Damit die Oberpfalz die Sagen, die Vohburger rief, nicht mehr loswerden.

Entstanden ist die Geisterwanderung größter Missbilligung des Altlandrats Schuierer, der als sparsamer Mensch bekannt ist.Franz Joseph Vohburger


Weiter FührungenDie Geisterwanderungen gehen natürlich weiter. Gerd Habermeier, der bereits als Torwache in der Burg Hof am Regen und als Geisterträger zu Füßen der Burg Stockenfels dabei war, tritt in die riesigen Fußstapfen, die Franz Joseph Vohburger hinterlässt. Die Burgführungen auf den Burgen Hof, Stefling und Stockenfels macht der 74-Jährige weiterhin. Solange er sich gut fühle, höre er damit nicht auf. Er wüsste auch keinen Nachfolger, der sich mit den Burgen und der Geschichte des Mittelalters genügend gut auskenne. "Bei Fragen muss man gerüstet sein", erklärt er. (doz)
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