Cham: Bewährungsstrafe für ehemaligen CSU-Kommunalpolitiker nach Todesfahrt
Tränen im Gerichtssaal

Archiv
Cham
12.02.2015
15
0
(nt/az) Eine tödliche Alkoholfahrt muss ein ehemaliger CSU-Kommunalpolitiker aus dem Landkreis Cham mit einer Bewährungsstrafe büßen. Das Amtsgericht Cham verurteilte den 41-Jährigen am Mittwoch wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten.

15-Jährige stirbt bei Unfall

Der Mann war im Juli 2013 auf der B 85 bei Roding (Kreis Cham) mit seinem Wagen auf die Gegenfahrbahn geraten und in das Auto einer 47-Jährigen geprallt. Ein 15 Jahre altes Mädchen, das im Wagen der Frau saß, starb, drei weitere Menschen wurden schwer verletzt. Der Unfallverursacher hatte bei der Fahrt 0,53 Promille Alkohol im Blut. Der 41-Jährige war zu diesem Zeitpunkt Kreisrat in Cham und galt als möglicher Kandidat für den Oberbürgermeisterposten in Regensburg. Der Prozess am Chamer Amtsgericht unter Vorsitz von Richter Andreas Lecker fand unter großem Medieninteresse statt.

Unter Tränen bat der Angeklagte die Opfer und die Familie des verstorbenen Mädchens um Verzeihung. Noch im Gerichtssaal übergab er der Mutter der Getöteten ein Entschuldigungsschreiben. Auch als die Fahrerin und die zwei Mitinsassen ihre schweren Verletzungen schilderten, die sie bei dem Unfall davongetragen hatten, liefen dem Beklagten Tränen übers Gesicht.

Eine wichtige Rolle spielten in dem Verfahren zwei Sachverständige. Ein Rechtsmediziner hatte sich mit der Frage beschäftigt, wie viel Alkohol der Fahrer zum Unfallzeitpunkt im Blut gehabt haben dürfte. Bei einer Blutentnahme am Unfallort wurde ein Wert von 0,53 Promille festgestellt. Der Gutachter ging von 0,64 Promille zum Zeitpunkt der Kollision aus.

Damit müsste der Angeklagte, so die Rechnung des Sachverständigen, zuvor zwischen 0,7 und einem Liter Rotwein getrunken haben. Alkoholbedingte Fahrfehler, die zum Unfall geführt haben könnten, seien damit durchaus möglich gewesen.

Nicht zu schnell unterwegs

Ein weiterer Gutachter hatte mit aufwendigen Crashtests versucht, den Unfallverlauf zu rekonstruieren. Sein Fazit: Keiner der Fahrer war mit einer überhöhten Geschwindigkeit unterwegs. Der Unfallverursacher dürfte mit seinem Audi etwa 70 km/h schnell gewesen sein. Der Verteidiger des beklagten Rechtsanwalts forderte eine Bewährungsstrafe von einem Jahr, da es keine Beweise gebe, dass der Unfall nicht auf den Alkoholgenuss zurückzuführen sein.
Weitere Beiträge zu den Themen: Themen des Tages (14863)Februar 2015 (7876)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.