100-Tonnen-Fels in Kastl aus Sicherheitsgründen gesprengt - viele Schaulustige
Mit Karacho in die Tiefe

Es ist vollbracht: Sprengmeister Anton Lehmeier war nach getaner Arbeit ein begehrter Interviewpartner. Bild: Huber
 
Grafik: NT⁄AZ
Kastl. (san) Die Schaulustigen recken die Köpfe, doch Bäume verdecken ihnen die Sicht. Um das, worum es eigentlich geht, ist nicht wirklich sichtbar. Später dann aber hörbar.

Die Autofahrer, die am Mittwoch auf der B 299 zwischen Kastl und Pfaffenhofen unterwegs waren, mögen sich am frühen Nachmittag über die Trassierbänder gewundert haben, die links und rechts der Fahrbahn gespannt waren. An der engsten Stelle in diesem Bereich trudeln immer mehr Leute ein - Public Viewing der besonderen Art. Auf der gegenüberliegenden Seite - und damit weit von ihnen entfernt - wird in Kürze ein Fels gesprengt, aus Sicherheitsgründen, da er sonst in die Tiefe rutschen und Menschen gefährden könnte.

Viele Schaulustige

Mit Fahrrädern, zu Fuß, ja sogar mit Kinderwagen: immer mehr Schaulustige treffen ein. Schließlich wird in Kastl nicht alle Tage ein Felsen gesprengt. Auch Bürgermeister Stefan Braun gesellt sich zu ihnen. Er bringt die Videokamera in Position. Das Gestein, das kontrolliert in die Tiefe gebracht werden soll, dürfte etwa 100 Tonnen wiegen. Um sich die besten Plätze ganz vorne an der B 299 zu sichern, kraxeln einige der Zuschauer durch mannshohe Sträucher.

Zu sehen ist aber lediglich Schotter. Und zwar der, den 15 Lkw angefahren und auf dem öffentlichen Weg aufgeschüttet haben, damit gerade diese Straße nach der Sprengung nicht durch die Felsbrocken beschädigt wird. Im Einsatz sind die Polizei, die Feuerwehren aus Kastl und Pfaffenhofen sowie die Mitarbeiter des gemeindlichen Bauhofs. Sie sind dafür verantwortlich, dass sich niemand im Sicherheitsbereich, der für die Sprengung eingerichtet wurde, aufhält. Um kurz vor 15 Uhr wird schließlich die B 299 in beide Fahrtrichtungen gesperrt.

Die Schaulustigen recken die Köpfe, doch Bäume verdecken die Sicht. Erst als sich der rund 40 Tonnen schwere Fels mit Karacho seinen Weg in die Tiefe bahnt wird klar: Die Sprengung war ein Erfolg. Bilder von Stephan Huber.

Die Polizei fährt den Bereich ab, vermeldet schließlich, dass sich im gesperrten Streckenabschnitt kein Fahrzeug mehr befindet. "Mama, mir ist langweilig", ruft ein kleines Mädchen und klettert auf Baumstümpfen rum. Warten ist meistens nicht aufregend. Ein erstes Signal ertönt. In einer Minute folgen zwei weitere, kurz hintereinander.

Dann ein Knall, Gesteinsbrocken fallen von der Steilwand in die Tiefe, reißen eine Fichte mit. Ein bisschen Rauch ist zu sehen. Dann wieder ein Signal. "Das ist jetzt die Entwarnung", sagt ein älterer Herr. Die Menschen applaudieren - die Sprengung ist geglückt. Um 15.07 Uhr rollt der Verkehr auf der B 299 wieder. Einige Kinder ziehen lange Gesichter. Sie sind enttäuscht, weil sie nichts gesehen haben. "Das hat sich nicht rentiert", gesteht auch eine Frau aus Pfaffenhofen. Eine andere ergänzt: "Die Aufregung im Vorfeld war größer als die Sprengung selbst." Die beiden Damen sind froh, dass sie wenigstens gesehen haben, wie der Felsen runtergekommen ist und eine Fichte mitgerissen hat.

Die drei Mädchen Jenny, Pauline und Noa fanden's trotzdem sehr spannend. Obwohl: Dass sie vor laufender Kamera interviewt wurden, war fast noch besser als das Ereignis selbst. Den Ratschlag ihrer Eltern, sich im entscheidenden Augenblick die Ohren zuzuhalten, beherzigten sie nicht. "So schlimm war's nicht", sagen sie.


Die Zuschauer marschieren wieder zurück nach Kastl oder Pfaffenhofen. Bürgermeister Braun fährt an den Ort des Geschehens, wo der größte Brocken, etwa zwölf Tonnen schwer, sogar nach dem Schotterwall in der Wiese zum Liegen gekommen ist. Er spricht mit den beiden Sprengmeistern, Anton und Andreas Lehmeier aus Traunfeld. "Es ist wunderbar gelaufen", bilanziert Braun. Die beiden Männer, die den Koloss mit zwei Kilo Sprengstoff zu Fall brachten, sind ebenfalls hochzufrieden. Der Fels nahm zwar den erhofften "Kanal" auf dem Weg nach unten, zerbrach jedoch beim Aufschlagen auf ein anderes Gestein in mehrere Teile und kam deshalb nicht als Ganzes runter. Auf der Terrasse des Gasthauses Schweppermann machen es sich die Schaulustigen am späten Nachmittag gemütlich, fachsimpeln in der Sonne.
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