1100 Flüchtlinge an einem Tag nach Bayern

Polizisten geleiten Asylbewerber aus einer Unterkunft in Mainstockheim. Nach Streitigkeiten wurde das Haus teilweise geräumt. Bild: dpa

Vom erhofften Abebben der Fluchtwelle ist noch nichts zu spüren. Die Polizei verzeichnet immer mehr Aufgriffe. Der Kreis Neustadt/WN bereitet sich auf die Unterbringung von 200 Menschen vor. In Unterfranken eskalieren derweil Auseinandersetzungen mit Anwohnern.

(dpa/tos) Erstmals hat die Zahl unerlaubter Einreisen nach Bayern an einem einzigen Tag die 1000er Grenze überschritten. Am Samstag registrierte die Bundespolizei mehr als 1100 illegale Grenzübertritte - so viele wie nie zuvor. Nach Angaben der Bundespolizeidirektion vom Montag war auch die komplette vergangene Woche mit knapp 6000 Fällen neuer Rekord. "Die Zahlen steigen bereits seit langem kontinuierlich, seit rund drei Monaten sogar explosionsartig", heißt es in einer Mitteilung.

Unterdessen bereitet sich der Landkreis Neustadt/WN nach Tirschenreuth (200 Asylbewerber) und Weiden (100) ebenfalls auf die Aufnahme von Flüchtlingen vor. Da statt der im Notfallplan vorgesehenen 100 nun 200 Menschen untergebracht werden müssen, wird kurzfristig statt der dafür vorgesehenen Realschulturnhalle in der Kreisstadt die Dreifach-Turnhalle des Gymnasiums für die Migranten hergerichtet.

Nach Streitigkeiten zwischen Asylbewerbern und Anwohnern wird eine Flüchtlingsunterkunft in Mainstockheim im unterfränkischen Landkreis Kitzingen vorerst geräumt. Die etwa 20 Flüchtlinge würden auf andere Unterkünfte in der Region verteilt, sagte ein Sprecher der Regierung von Unterfranken. Immer wieder sei es zu Auseinandersetzungen mit Anwohnern gekommen, wie Bürgermeister Karl-Dieter Fuchs sagte. Die jungen Männer aus dem Kosovo und Albanien hätten häufig "die Nacht zum Tag gemacht" und Anwohner unter anderem mit Müll und lauter Musik gestört. An mehreren Abenden versammelten sich dann größere Gruppen von Anwohnern an dem Gebäude.

Trotz eindringlicher Hilfsappelle der Länder will sich der Bund im Streit über die Verteilung der Asylkosten nicht drängeln lassen. Die Bundesregierung reagierte am Montag zurückhaltend auf die finanziellen Forderungen der Länder. Der Bund habe bereits eine Milliarde Euro Unterstützung zugesagt, sagte ein Sprecher des Innenministeriums in Berlin. Die Ausgaben für Asylbewerber werden sich in diesem Jahr voraussichtlich mehr als verdoppeln - von etwa 2,2 Milliarden Euro 2014 auf nun mindestens 5 Milliarden Euro, wie eine Umfrage bei allen Landesregierungen ergab. Die Länder meldeten bereits in den vergangenen Tagen großen finanziellen Bedarf an. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) gab Bundesmittel in Höhe von zwei Milliarden Euro jährlich als Zielmarke aus. (Seite 3)
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