15 Jahre nach der Katastrophe von Kaprun: Vorwürfe vom Vilsecker Stadtpfarrer
"Mahnmal im Abseits"

Die Gedenkstätte für die Opfer der Kaprun-Katastrophe. Archivbild: we
Es war eine der schlimmsten Tragödien für die Region der jüngeren Geschichte: Am 15. November 2000 brannte die Gletscherseilbahn in Kaprun aus. 155 Menschen starben, davon 20 Mitglieder des Skiclubs Unterweißenbach (Kreis Amberg-Sulzbach). Nur zwölf Menschen entkamen dem Flammeninferno. 15 Jahre nach der Tragödie trafen sich Angehörige am Mittwochvormittag an der Unglücksstelle, am Abend gab es Gedenkgottesdienste in den Pfarreien in Vilseck und Schlicht.

Der neue Vilsecker Stadtpfarrer Johannes Kiefmann richtet in seinem Pfarrbrief schwere Vorwürfe an die Verantwortlichen. Er selber sei im August in Kaprun gewesen und habe sich das Mahnmal angesehen, das an das "Verbrechen" erinnert. Es sei ein "guter Ort, wo man beten und trauern kann. Wo Leute mit ihren Symbolen des persönlichen Zusammenlebens Abschied nehmen können." Aber eines ist Kiefmann sauer aufgestoßen: "Ich möchte jetzt in aller Deutlichkeit darauf hinweisen: Wo steht das Mahnmal von Kaprun? An der Seite. Im Abseits. Nicht ohne weiteres zu finden."

Auslöser des Brandes in dem Tunnel war ein defekter Heizlüfter, doch niemand wurde dafür zur Verantwortung gezogen. Das Gerichtsverfahren endete mit 16 Freisprüchen. An dem Urteil gab es massive Kritik. Die insgesamt 451 Überlebenden und Hinterbliebenen erhielten im Durchschnitt nur rund 30 000 Euro Entschädigungszahlung, mussten sich im Gegenzug verpflichten, auf alle weiteren Forderungen und rechtlichen Schritte zu verzichten. Zudem mussten sie von dieser Summe auch ihre eigenen Kosten, wie beispielsweise Anwaltsgebühren für die jahrelangen Gerichtsverhandlungen, bezahlen.

Bernd Geier, dessen Vater Herrmann aus Vilseck zu den zwölf Überlebenden gehörte, meint gegenüber der Münchener "tz": "Alle sind schwer traumatisiert. Es gab Suizidversuche, Scheidungen. Manche versuchten, sich mit Drogen oder Alkohol zu betäuben."

Norbert Karlsböck, damals Kapruner Bürgermeister und heute Vorstand der Gletscherbahnen Kaprun AG, sagte: "Das Unglück ist untrennbarer Teil unserer Geschichte. Das haben wir in den 15 Jahren auch so lernen müssen. Es war in den Anfangsjahren sicher immer ganz, ganz schwierig. Es war eine große Belastung für den Ort und auch für die Bevölkerung."
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