20 Jahre Schleierfahndung in Bayern
«Der Schrecken von Kriminellen»

Schmuggler, Autodiebe, Drogenhändler und Schleuser nutzen seit Jahren die offenen Grenzen nach Deutschland. Sie fürchten vor allem die Schleierfahnder der deutschen Polizei. Bild: dpa
Pocking. (dpa/lby) Nur den Bruchteil einer Sekunde hat der Schleierfahnder Robin Kämeling Zeit für seine Einschätzung. Mit seinem Kollegen sitzt er in seinem schnellen Fahrzeug und überprüft am Donnerstag an der Grenze zu Österreich den fließenden Verkehr. Als ein großer Audi A8 Wagen mit bulgarischem Kennzeichen an den Beamten in Richtung Bayern vorbeifährt, entschließen sie sich zur Verfolgung. «Die Kleidung und die äußerliche Erscheinung des Fahrers passen einfach nicht zu dem teuren Fahrzeug», sagt Kämeling. Fünf Kilometer folgen sie dem Wagen und leiten den Fahrer dann zur Kontrolle auf den Parkplatz an der A3 bei Pocking.

KfZ-Experten des Landeskriminalamtes (LKA) überprüfen das Fahrzeug, und Kämeling nimmt die Papiere des Fahrers genau unter die Lupe. Nach einer halben Stunde steht fest: «Der Wagen ist sauber. Er ist nicht als gestohlen gemeldet und in Bulgarien zugelassen», erklärt der LKA-Beamte Michael Olschinsky. Mit ihrer Einschätzung des Fahrers lagen die Schleierfahnder dennoch richtig: Er ist als Zuhälter und Autodieb in Deutschland polizeibekannt. Zudem hat er fünf Welpen im Fußraum. Deswegen übernimmt nun das Landratsamt den Fall und überprüft, ob eine Straftat vorliegt.

Seit dem 1. Januar 1995 gibt es die Schleierfahndung in Bayern. Der Freistaat war Vorreiter für andere Bundesländer. «Ob Schleuser, Einbrecherbanden oder Drogendealer, seit 20 Jahren sind unsere Schleierfahnder der Schrecken von Kriminellen», sagt Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bei seinem Besuch der Kontrollstelle an der Autobahn. Fast 150 000 Straftaten konnten die mittlerweile 2000 Schleierfahnder der Landes- und Bundespolizei seitdem in Bayern aufdecken.

Ein weiterer Schwerpunkt ist seit Jahren die illegale Einreise. Seit 2009 seien 36 000 Menschen illegal über Italien und den Balkan nach Bayern eingereist - alleine im vergangenen Jahr mehr als 15 000, erläutert der Präsident der Bundespolizei in Bayern, Hubert Steiger. Ein lukratives Geschäft für Schleuser mit der Not der Menschen.

Minütlich werden an diesem Donnerstag Fahrzeuge auf den Autobahnparkplatz gelotst. Ein Kleinlaster fällt auf, weil auf seiner Ladefläche ein Auto steht, aber nur sporadisch gesichert ist. Eineinhalb Meter ragt der Wagen über den Rand hinaus. Die hintere Achse liegt nur auf alten Holzbrettern auf, die sich schon deutlich durchbiegen.

Wenige Meter entfernt schnüffelt Drogenspürhund «Aron» in Autos, die den Polizisten verdächtig vorkommen. In einem Wohnwagen und einem beheizten Zelt der Polizei werden Pässe kontrolliert, Verdächtige auf Drogen und Waffen durchsucht und vernommen. Wie routiniert die Beamten sind, wird beim wohl spektakulärsten Fall an diesem Tag deutlich.

Völlig unaufgeregt geht ein Polizist zu einem Kollegen, der einige Männer in einem Wagen mit britischem Kennzeichen kontrolliert. Die Beamten verständigen sich kaum wahrnehmbar und schon klicken die Handschellen für einen jungen Rumänen. Gegen den 20-Jährigen liegt ein Haftbefehl wegen mehrfachen schweren Diebstahls in Nordrhein-Westfalen vor. Er kommt zunächst zur Polizeidienststelle nach Passau. Später wird ein Richter entscheiden, ob der 20-Jährige gleich ins Gefängnis wandert. «Es war eine Routinekontrolle. Aber man hat schon ein Auge für sein Klientel», erklärt Michael Bruis von der Bundespolizei Passau.
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