258 Navis ausgebaut

Der durchschnittliche Autofahrer braucht länger, sein Navi einzustellen, als der 34-Jährige benötigte, es aus den Fahrzeugen auszubauen. Bild: dpa

Eigentlich wäre die sportliche Leistung fast zu bewundern. Der Autohändler aus Hemau, dessen Firmengelände gleich zwei Mal heimgesucht wurde, dürfte aber anders darüber denken. Hatte doch ein Dieb insgesamt über 250 Navigationsgeräte im Wert von 258 000 Euro aus den ausgestellten Autos ausgebaut und entwendet.

Am Dienstag wurde ein berufsloser 34-jähriger aus Litauen vor der 5. Strafkammer des Landgerichts Regensburg unter Vorsitz von Richter Georg Kimmerl wegen Diebstahls in zwei Fällen zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und drei Monaten verurteilt. Der Mann, der keinen festen Wohnsitz in Deutschland hat, sitzt derzeit in der Justizvollzugsanstalt in Aachen ein.

Mitte Dezember 2013 war der Angeklagte erstmals über einen Maschendrahtzaun auf der Ostseite des Bundeswehrgeländes in das umzäunte Gelände eines Autohauses in Hemau eingedrungen. Dort entwendete er mit Spezialwerkzeugen aus 142 Fahrzeugen der Marke Audi die fest eingebauten Navigationsgeräte im Gesamtwert von 145 000 Euro. Etwa ein Vierteljahr später suchte er das Gelände erneut heim. Diesmal fielen ihm 116 Navis im Wert von 113 000 Euro in die Hände. Da der Angeklagte in Deutschland schon acht Vorstrafen auf dem Konto hat und erkennungsdienstlich gespeichert war, kamen die Ermittler schnell auf seine Spur.

Dass sich der Angeklagte auf derartige Diebstähle spezialisiert hat, ging aus dem im Prozess verlesenen Urteil des Landgerichts Aachen hervor. Von diesem war er 2008 wegen schweren Bandendiebstahls in 250 Fällen zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Damals ging er mit Komplizen nach dem gleichen Strickmuster vor.

Eine Minute pro Auto

Nur eine Minute brauchten sie, um einen Audi oder Mercedes zu knacken. Über Monate hinweg erbeuteten sie 15 Navigationsgeräte pro Woche. Kaum aus der Haft entlassen, wurde der Angeklagte rückfällig und vom Landgericht München wegen Diebstahls und Urkundenfälschung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt.

Über welche Kanäle die Beute verkauft wurde, konnte weder in Nordrhein-Westfalen noch in Bayern aufgeklärt werden. Möglicherweise steckt hinter den Straftaten eine mafiaähnliche Organisation, die den Verkauf über das Internet betreibt.

Auf Anregung seines Verteidigers Carsten Friedel Keil zogen sich die Prozessbeteiligten nach Verlesen der Anklageschrift zu einem Rechtsgespräch zurück. Demnach stellte sich der Verteidiger eine Strafe mit einer vier vor dem Komma vor, die Staatsanwältin eine zwischen sechs und sieben Jahren. Die Strafkammer stellte dem Angeklagten für den Fall eines Geständnisses zwischen fünf und fünfeinhalb Jahren in Aussicht. Daraufhin räumte der Verteidiger die Vorwürfe für seinen Mandanten ein. Er habe die Taten alleine begangen, mehr wolle er hierzu nicht sagen. Alles was der Angeklagte hinzufügte war, dass er nach Litauen zurückkehren möchte. Dieser Wunsch wird wohl länger nicht in Erfüllung gehen.
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