30 Häuser und ein Schloss

Er hat alte Akten sowie Unterlagen durchforstet und sich durch Archive gearbeitet. In seinem Vortrag, zu dem der Heimatverein eingeladen hatte, beschäftigte sich nun der Haberländer Hobby-Heimatforscher Wilhelm Neumann mit der "Zertrümmerung des Döltscher Schlosses".

Dabei geht es im Wesentlichen um die Aufgabe des Schlosses und die Aufteilung der Ländereien. "Im Weidener Archiv befinden sich umfangreiche Unterlagen, handschriftlich aufgezeichnet vom gebürtigen Steinreuther Oberlehrer Johann Bauer. Leider fehlen dazu die Quellenangaben", berichtete Neumann.

Demnach hatte das Döltscher Schloss keine überörtliche und auch kaum wirtschaftliche Bedeutung. Jedoch war es für den kleinen Ort Döltsch mit zur damaligen Zeit weniger als 30 Häusern schon eine Besonderheit. Leider wisse man nicht, warum in Döltsch so ein Schloss errichtet wurde.

Wann genau es erbaut wurde und wie es ausgesehen hat, vermochte Neumann nicht zu sagen. Heute stehen noch die beiden unteren Geschosse des ehemaligen Bauwerkes. Vor einigen Jahren hat der Heimatverein ein Modell des Schlosses erstellt, dabei wird es aber auch nur so dargestellt, wie es ausgesehen haben könnte. Aus der Vergangenheit kennt man ab etwa dem 14. Jahrhundert die jeweiligen Besitzer, die ab dem 18. Jahrhundert recht häufig wechselten. Dabei wurde es Ende des 18. Jahrhunderts als "Rittergut" betitelt. Letzte bekannte Besitzerin war Friederike Beer, die 1834 verstarb.

In zwei Hälften geteilt

Warum das Schloss schließlich aufgelöst und die Ländereien zerschlagen wurden, ist nicht genau bekannt. "Am 15. Januar 1831 wurde in Döltsch zum Vorgang der Auflösung ein Gemeindeausschuss gebildet", berichtete Neumann. Die Besitzungen des Rittergutes Döltsch wurden dann mit Regierungsgenehmigung in eine "walzende Eigenschaft" umgewandelt und anschließend zertrümmert.

Die Aufteilung des Schloss-Grundbesitzes, es waren wahrscheinlich 423 Tagwerk, muss sehr kleinflächig erfolgt sein. Die größeren Flächen wurden in Abteilungen aufgeteilt, die dann von den Haberländern erworben wurden. Insgesamt 26 davon gingen an Döltscher Bewohner, 24 an Erwerber aus anderen Haberlanddörfern. Die jeweiligen Hofstellen sind niedergeschrieben, größtenteils sind aber heute andere Namen auf den Höfen.

Das Schlossgebäude selbst wurde offensichtlich schon vor 1831 in zwei Hälften geteilt. Eine davon ging in den Besitz von Georg Rösch, Metzgermeister aus Wildenreuth, die andere Hälfte an Balthasar Insbrucker, Schuhmacher aus Steinreuth. Interessantes wusste Neumann zudem über das kleine Nebenschlößl (ehemaliges Übelacker-Anwesen). Möglicherweise handelte es sich dabei um einen gutsherrschaftlichen Gasthof. Für das Gebäude gab es nämlich eine "Braugerechtigkeit mit Branntweinbrennerei und Bierschänke". Außerdem ging der Referent noch auf frühere Gehöfte von Döltsch ein, wie den Dorfhof und den Ökonomiehof.
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