30 Jahre Kampf um bessere Bedingungen in Textilindustrie - Gabriel: Bewusster kaufen
Amirul Haque Amin geehrt

Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) hat die Verbraucher mit Blick auf die teils unmenschlichen Arbeitsbedingungen in Südostasien zu mehr sozialer Verantwortung beim Kleiderkauf ermahnt. "T-Shirts für vier Euro und Jacken für etwas mehr als 20 Euro werden am Ende von den Menschen bezahlt, die die Textilien herstellen. Wer die menschenunwürdigen Bedingungen in der Textilindustrie für falsch hält, muss bewusster einkaufen", sagte der Wirtschaftsminister am Sonntag bei der Verleihung des Nürnberger Menschenrechtspreises.

Deutsche Verantwortung

Den Preis erhielt der Präsident der Nationalen Textilarbeitergewerkschaft Bangladeschs, Amirul Haque Amin. Die Stadt würdigte mit der mit 15 000 Euro dotierten Auszeichnung Amins jahrzehntelangen Kampf um bessere Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken. Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) überreichte dem 54-Jährigen die Auszeichnung bei einem Festakt im Opernhaus. Nach Einschätzung Gabriels tragen auch deutsche Unternehmen, die in Bangladesch produzieren, eine Verantwortung. "Wer dort nähen oder montieren lässt, ist mitverantwortlich für die dortigen Arbeitsbedingungen. Sie dürfen vor den dortigen Arbeitsbedingungen nicht die Augen verschließen und müssen sich mindestens an die Grundsätze der OECD halten." Er appellierte an die Unternehmen: "Helfen Sie mit, für die Einhaltung sozialer und ökologischer Standards in den Lieferketten einzutreten."

Preisträger Amin selbst erinnerte an den Einsturz des Rana Plaza Fabrikgebäude in der Hauptstadt Dhaka, bei dem im April 2013 mehr als 1100 Menschen ums Leben kamen. "Das ist nichts anderes als Ausdruck der Profitgier der Fabrikbesitzer und ihrer Auftraggeber in der Welt", kritisierte er. Trotz des massiven Drucks auf die Gewerkschaften hätten seit 30 Jahren die sozialen Standards in den Textilfabriken spürbar verbessert werden können. Viele Probleme bestünden aber unverändert fort.

Alke Boessiger von dem weltweiten Dachverband der Dienstleistungsgewerkschaften, der UNI Global Union, würdigte Amin in ihrer Laudatio als "Helden im Kampf um Menschen- und Arbeitsrechte". Er und seine Kollegen führten einen täglichen Kampf für ein besseres Leben für Millionen von Textilarbeitern. Dabei seien sie ständigen Belästigungen, Drohungen und Verletzungen ausgesetzt. "Bangladesch ist auch für Gewerkschaftsführer eines der gefährlichsten Länder weltweit", betonte Boessiger. Sie verneige sich "angesichts ihrer Leistungen und Tapferkeit".
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