40 Tage, 40 Nächte

Auch das ist Fasten: Gemeindemitglieder der evangelischen Christuskirche in Düsseldorf haben am Faschingsdienstag die Bänke aus ihrer Kirche geräumt. Die Aktion "7 Wochen ohne Kirchenbänke" soll einen neuen Blick auf die Kirche ermöglichen. Bild: epd

Der eine tut's wegen Gott, der andere für die Figur. Die Fastenzeit vor Ostern gehen die Menschen sehr unterschiedlich an.

(dpa/KNA) Heute gehen wieder viele Menschen mit festem Verzichts-Vorsatz in die Fastenzeit bis Ostern. Fasten wird immer beliebter. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK-Gesundheit haben 56 Prozent bereits mindestens einmal für mehrere Wochen gefastet. Das sei ein Anstieg gegenüber einer ähnlichen Umfrage vor drei Jahren von fünf Prozentpunkten. Am liebsten und ehesten verzichten die Bayern, wie aus der Befragung hervorgeht.

Wer mit dem Gedanken spielt, Liebgewonnenes für 40 Tage und 40 Nächte einfach mal liegen zu lassen, muss nicht zwangsläufig auf Fleisch oder Schokolade verzichten, es kann zum Beispiel auch das Smartphone sein. Und die Jugend ist der Tradition gar nicht so abgeneigt - jedoch aus ganz unterschiedlicher Intention.

Der Religiöse: Der Klassiker. Er verzichtet wegen Gott und Jesus, muss aber kein Christ sein. "Solche Unterbrechungszeiten gibt es ja in allen Religionen", sagt Michael Krämer, Leiter der Katholischen Erwachsenenbildung in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Ziel sei es, etwas sein zu lassen, was einem am Herzen liegt. Wichtig sei, dass man auf "etwas Liebgewordenes" verzichtet, so Krämer. Das Fasten sei heute immer auch "geistiger Aufbruch".

Der Narzisst: Jesus hin oder her - der Narzisst will es sich selbst zeigen. Die Fastenzeit ist dafür eine willkommene Gelegenheit. "Für viele geht es darum, sich selbst etwas zu beweisen", sagt Werner Gross vom Psychologischen Forum Offenbach (PFO). "Ich bin in der Lage, mich gegen die Überflutungen des Alltags wehren zu können", beschreibt Gross diesen Typen.

Der Gesundheitsbewusste: Laut Umfragen ist er unter den Fastenden in der Mehrheit. Jeder zweite gibt an, aus gesundheitlichen Gründen zu verzichten - meist auf Alkohol oder Süßes.

Der Inkonsequente: Er nimmt sich ganz viel vor, ähnlich wie zum Jahreswechsel, schafft es aber bei weitem nicht - und belügt sich bis Ostern selbst. Laut Umfrage ist der Anteil dieses Typs aber angeblich recht klein: Nur 14 Prozent brachen demnach das Fasten komplett ab.

Der Stille: Ist es klug, sein Fasten an die große Glocke zu hängen? "Das kann aber auch schiefgehen. Und dann heißt es: Du bekommst ja nicht mal das hin", warnt Gross. "Der Vorteil ist: Man bekommt Hilfe durch die soziale Kontrolle."

Der Fastenhasser: Verzichtet auf nix, ist stolz drauf - und erzählt das überall rum. Auch das könne ein Statement unserer Zeit sein, sagen die Experten. "Es geht vielfach auch um die Frage: Lebe ich oder lasse ich mich leben", so Gross.

Der Trendsetter: Verzichtet nie auf Essen, aber auf Handy & Co. Wie weit verbreitet diese modernste Form des Fastens ist, lässt sich aber nicht klären. Vielleicht liegt es nur an den inzwischen weit verbreiteten Flatrates fürs Telefonieren oder fürs Internet-Surfen. Aber auch die Deutsche Telekom hat keinerlei Hinweise darauf, dass etwa der Smartphone-Gebrauch in den Wochen vor Ostern zurückgeht. Knappe Antwort aus der Zentrale in Bonn: "Gott sei Dank, nein."
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