500-Kilo-Bombe bei Witzlhof entschärft
Hoffen und Bangen bis in die Nacht

Bild: Petra Hartl
Archiv
Deutschland und die Welt
08.09.2012
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Poppenricht. (ll/tk) Es ist noch einmal gut gegangen. Die am Freitagmittag auf einem Maisfeld bei Witzlhof entdeckte Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg konnte gestern Abend entschärft werden. Die Meldung über den Fund hatte große Besorgnis hervorgerufen, da vergangene Woche in München ein Blindgänger gesprengt werden musste und dabei immense Schäden hinterließ.

In Witzlhof, dem kleinen Ort zwischen Amberg und Poppenricht, herrschte dagegen Aufatmen und Erleichterung nach einem aufregenden Tag voller Ungewissheit und Bangen:

Das Zwölf-Uhr-Läuten ist noch nicht lange verhallt, da stoßen die beiden Experten des Munitionsbergungsdienstes in etwa drei Metern Tiefe auf Metall. Jetzt wird der Bagger erst mal abgestellt; der Spaten leistet bessere Dienste, wenn man noch nicht weiß, was hier im Lehmboden lauert. Nach wenigen Minuten ist klar: Es ist eine Bombe. Obwohl nur die Spitze rausschaut, haben die beiden Fachleute schon eine ziemlich deutliche Vorstellung vom Rest: amerikanisches Modell, 1,40 Meter lang, ein 103er-Kopfzünder, ein Heckzünder. Eine 500-Kilo-Bombe - das heißt doppelt so schwer wie das Exemplar, das vor wenigen Tagen in München gesprengt werden musste. "Das hier ist schon was Großes."

Trotzdem keine Spur von Nervosität bei den Experten. Mit Präzision legen sie den Blindgänger frei. Das Hängeschloss taucht auf, mit dem die Bombe am Flugzeug befestigt war, dann Teile des Leitwerks, schon halb abgerissen.
"Ou, ou, ou", lautet die erste Einschätzung, als Dietmar Penkawa vom staatlichen Kampfmittelbeseitigungsdienst auftaucht und einen Blick in die Grube wirft. Die Skepsis gilt aber wohl eher der Größe der Bombe, denn eine richtige Gefahr sieht der Sprengmeister in ihr nicht: Sie hat einen "normalen Aufschlagzünder", keinen Langzeitzünder wie das Münchner Teil. "So eine kann man in einer halben Stunde entschärfen, wenn alles gut geht." Aber erst nach der Evakuierung der Leute, die in einem halben Kilometer Umkreis wohnen. Um diese Aufgabe müssen sich jetzt die Gemeinde, die Polizei und die Feuerwehr kümmern.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist klar, dass es ein langer Tag wird. Weil 500 Menschen, denen in ihren Häusern Schäden durch eine Explosion der Bombe drohen, in die Poppenrichter Schule gebracht werden müssen. Die Verantwortlichen bilden einen Stab, um das genaue Vorgehen festzulegen; erste Einsatzzentrale ist ein Feuerwehrauto, später wird ins Gasthaus "Drei Mohren" verlegt.

Schon in München dabei

Für die Sprengstoff-Experten hat derweil die Wartezeit begonnen. Auch für den mittlerweile eingetroffenen Chef des Zwei-Mann-Teams der Kampfmittelräumer, Michael Weiß. "Sprengkommando Nürnberg" steht vorne auf ihrem Einsatzfahrzeug. Weiß war vorige Woche in München auch schon dabei, vor zwei Tagen bei einer Entschärfung in Augsburg. Natürlich müssen jetzt ein paar Scherze sein, dass eine Bombe am Freitagmittag einem das ganze Wochenende kaputtzumachen droht.

Keine Überlebensgarantie

Man kennt sich in der Branche, egal ob privat oder staatlich. Und man kennt auch die Geschichte von dem Witzbold, der bei einer Bombenentschärfung eine Papiertüte aufpustete und draufschlug. "Bomben sind unser täglich Brot", sagen die Kampfmittelbeseitiger. Trotzdem löst jede einzelne wieder einen Adrenalinschub aus, wenn man in die Grube steigt, um sie unschädlich zu machen. Denn es gibt keine Überlebensgarantie, höchstens einen guten Rat: "Behandle jede Bombe so, als ob es deine erste wäre." Und diese vorsichtige Marschroute bewährt sich auch in Witzlhof. Um Punkt 19.55 Uhr kann das Nürnberger Sprengkommando melden: Bombe entschärft, Gefahr gebannt, Wochenende gerettet.
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