85-Jähriger zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt
Tödlicher Unfall aus "inniger Liebe"

Ein 85-Jähriger, der mit seiner Ehefrau im Auto absichtlich gegen einen Baum gefahren war, ist zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden. Das Landgericht Bonn urteilte am Montag, der Mann habe das Beste für seine schwer kranke Frau (81) tun wollen. Diese starb zwei Tage nach dem Unfall an ihren schweren Verletzungen. Ihr Mann hatte mit ihr zusammen sterben wollen, überlebte jedoch.

Aus Sorge, er könne selbst ein Pflegefall werden und sich nicht mehr um seine Frau kümmern, hatte er ihr und sich das Leben nehmen wollen. Der Rentner war ursprünglich wegen heimtückischen Mordes angeklagt gewesen, weil er seine demente Ehefrau nicht in seinen Suizidplan eingeweiht hatte. Dieser Fall sei in jeder Hinsicht ein Ausnahmefall, sagte der Kammervorsitzende, auch juristisch.

Die Tat habe zwar alle Merkmale der Heimtücke, sei aber trotzdem nicht heimtückisch: Der 85-Jährige habe nicht "in feindlicher Willensrichtung" gehandelt, sondern - in seiner subjektiven Sicht - zum vermeintlich Besten für seine Frau. Auch die Beziehung des Paares, das 60 Jahre verheiratet gewesen war, sei ungewöhnlich: Sie sei "von inniger Liebe bis zum Schluss getragen gewesen". Er hatte ihr versprochen, sie niemals alleine zu lassen. Dieses Versprechen habe er geglaubt, nicht mehr halten zu können: Zwei Operationen standen ihm bevor, er fürchtete zu erblinden und selbst dement zu werden. In Panik entschied sich der Senior für die Verzweiflungstat.

Ein Gutachter sagte, der Angeklagte habe keine andere Lösung mehr gesehen. Im letzten Wort bat der 85-Jährige um Verzeihung: "Jetzt sind wir beide allein. Und das, genau das wollte ich nicht." Der Richter betonte, der Angeklagte wisse, dass er große Schuld auf sich geladen habe: "Er hat sich selber bestraft, wie es schlimmer nicht sein kann."
Weitere Beiträge zu den Themen: Weltgeschehen (20753)April 2015 (8563)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.