9. Bayerische Katastrophenschutz-Kongress in Max-Reger-Halle
Geplante Katastrophen

Illustre Runde: BRK-Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk (Dritter von links) begrüßte viele Ehrengäste beim Katastrophenschutz-Kongress. An ihrer Spitze Innenminister Joachim Herrmann (Sechster von links) und der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Rudolf Seiters. Ehrengäste aus der Region waren unter anderem Landrat Andreas Maier (links), OB Kurt Seggewiß (rechts daneben) und MdL Annette Karl (Vierte von links). Bild: Bühner
Weiden. (sbü) Sie tragen alle das Rot-Kreuz-Zeichen am Hemdkragen. Aus ganz Bayern, auch aus anderen Bundesländern und dem angrenzenden Ausland, sind sie in großer Zahl nach Weiden gekommen. Der 9. Bayerische Katastrophenschutz-Kongress prägte drei Tage lang das Geschehen rund um die Reger-Halle.

"Wir fühlen uns in Weiden sehr wohl und haben die Max-Reger-Halle auch schon für den nächsten Kongress in zwei Jahren angemietet", versicherte Leonhard Stärk, BRK-Landesgeschäftsführer für den Rettungsdienst.

Neuentwicklungen zum Anfassen

Bis auf den letzten Winkel waren alle Flächen belegt: Die Versammlungsräume für die gut 900 Tagungsteilnehmer, die Flure für die Ausstellungen modernster Gerätschaften und Ausrüstungen des Sanitätswesens. Und auf den Freiflächen konnte man Neuentwicklungen bei den Rettungsfahrzeugen besichtigen. Zum Beispiel einen Unimog für Überschwemmungskatastrophen. Mit großen Reifen fährt dieser auch durch tiefes Wasser und kann mit dem Greifarm Menschen aus Häusern retten.

"Wir haben aus der Überschwemmungskatastrophe des Jahres 2013 viel gelernt" bestätigt Stärk. Die Erfahrungen aus diesem Jahrhunderthochwasser, bei dem Autobahnen überschwemmt waren und 13 600 Menschen evakuiert werden mussten, bestimmten auch weite Teile der Tagungsthemen. "Extremereignisse werden zunehmen, darauf müssen die Rettungsdienste vorbereiten". betonte Dieter Hauenstein. Der Bezirksbereitschaftsleiter für Niederbayern/Oberpfalz organisierte den Kongress federführend .

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann, der die Tagung besuchte, nannte Zahlen zum Rettungs-und Katastrophenschutz in Bayern. "Die nichtpolizeiliche Gefahrenabwehr umfasst circa 470 000 Einsatzkräfte, 450 000 davon im Ehrenamt." Damit wollte der Minister die große Bedeutung des Rettungs-und Katastrophenschutzes für die Bevölkerung deutlich machen.

"Ungebundene Helfer"

Ein weiterer Themenblock befasste sich mit dem Phänomen der freiwilligen Helfer bei Naturkatastrophen. Fachleute sprechen von "ungebundenen Helfern", die über die sozialen Netzwerke in großer Zahl als selbstorganisierende Gruppen zusammen finden. "Da kommen Hunderte von Personen und gehen ohne Schutzkleidung in das Sperrgebiet, und wir kriegen die Prügel, wenn etwas schiefgeht", berichtete Einsatzleiter Markus Mühlbauer aus seinen Erfahrungen bei der Flutkatastrophe 2013 im Raum Deggendorf.

Migranten einbinden

Die Tagung beschäftigte sich ferner ausführlich der "Nachwuchsgewinnung für die Rettungsdienste". Berichtet wurde von Modellversuchen, Migranten einzubinden. "Wir wollen uns interkulturell öffnen, sagte dazu Geschäftsführer Stärk. Pandemievorbereitung, Digitalfunk, Sicherheitskonzepte bei Großveranstaltungen, technische Innovationen, Rettungsdienste im Einsatz bei der G7-Konferenz in Elmau und Rückholung Ebola-infizierter Helfer wurden ebenfalls ausführlich diskutiert. Die Politik fordert Verbesserungen bei der beruflichen Freistellung von Rettungskräften im Einsatz. Die Repräsentanten der Rettungsdienste fassten die Tagungsthemen so zusammen: "Wir planen Katastrophen, die aber nicht kommen sollen."
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