Abartige Forderungen

Die minderjährigen Opfer wollten anfangs nur etwas Spaß haben beim Chatten. Was dann mit den Schülerinnen geschah, führte tief hinab in Keller des sexuellen Missbrauchs. Dafür muss ein 28-Jähriger nun fast fünf Jahre ins Gefängnis.

Amberg/Schwandorf. Es begann in aller Regel harmlos. Der Mann setzte sich an den PC, gab sich als Mädchen aus und suchte Kontakt zu 12- und 13-Jährigen im ganzen Bundesgebiet. Er schäkerte mit den Schülerinnen, erkundigte sich nach Kleider- und Schuhgröße. Dann wurde auf Skype und damit auf unmittelbare Beobachtung umgestellt. Und ehe sie es sich versahen, saßen die Chat-Partnerinnen in einer Falle, aus der es für sie kein Entrinnen gab.

Strangulation mit Gürtel

Der 28-Jährige aus dem Kreis Schwandorf wollte nackte Haut sehen. Sie wurde ihm in allen zehn der nun von der Staatsanwaltschaft bei einem Amberger Schöffengericht angeklagten Fällen auch gezeigt. Gleich danach gingen seine Forderungen ins Abartige: Bilder unter der Dusche und im WC, Selbststrangulation am Hals bis zur Bewusstlosigkeit mit einem Gürtel. "Ich besitze nur einen", ließ eines der Opfer wissen. "Dann hol' dir noch welche von deiner Mama", hörte die 13-Jährige von ihrem Peiniger, der sich zwischenzeitlich als männlicher Voyeur entpuppt hatte.

In dem weitgehend nichtöffentlich geführten Prozess verdeutlichte sich, dass der 28-Jährige damit drohte, bei Weigerungen "Fotos ins Internet zu stellen" und "deinen PC zu sperren." Was er wollte, wurde zunehmend abartiger und bizarrer. Doch seine zutiefst verängstigten Opfer erfüllten die Wünsche. Als heuer im Januar nach mehr als drei Jahren die Kripo kam, stellten Fahnder bei ihm nahezu 50 000 kinderpornografische Dateien sicher. Wegen des Besitzes solcher Fotos war er vorher mehrfach bestraft worden. Hinter verschlossenen Türen legte der Mann ein Geständnis ab und ersparte seinen Opfern peinliche Vernehmungen. Er erhielt vier Jahre und neun Monate Haft wegen sexuellen Missbrauchs. Damit verbunden war der richterliche Rat: "Im Gefängnis haben Sie die Chance, sich therapieren zu lassen." Auf freien Fuß kam er nicht, Haftfortdauer wurde angeordnet.

Erpressung mit Methode

Die rüde Vorgehensweise im Internet hat offenbar Methode. Erst jüngst war in Nürnberg ein Mann zu fünf Jahren verurteilt worden, der auf gleiche Weise vorging und von den wahllos ausgesuchten Opfern Ähnliches verlangte. In seiner Urteilsbegründung sagte jetzt der Amberger Schöffengerichtsvorsitzende Markus Sand sinngemäß, dass er sich durchaus vorstellen könne, was es für ein Mädchen bedeute, wenn mit der Darstellung verfänglicher Bilder im Internet gedroht werde.
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