Abiturnote entscheidet

Professor Dr. Horst Rottmann hat bereits weitere Forschungsvorhaben zum Thema Studienerfolg angekündigt. Bild: sbü

Die Wirtschaft beklagt, dass viel zu viele Abiturienten studieren und in den dualen Ausbildungsberufen der Nachwuchs fehlt. An der OTH Amberg-Weiden ist jetzt untersucht worden, ob es einen Zusammenhang zwischen Abiturnote und Studienerfolg gibt. Die Studie gibt denjenigen Recht, die Abiturienten mit weniger guten Noten vom Studium abraten.

(sbü) Berufs- und Studienberater haben jetzt den wissenschaftlichen Beweis dafür, dass es richtig ist, bei mäßiger oder schlechter Abiturnote auf ein Studium zu verzichten. Bernd Rager und Professor Dr. Horst Rottmann haben an der OTH Amberg-Weiden empirisch untersucht, wer gute und wer schlechte Aussichten hat, sein Studium erfolgreich zu beenden.

Mit NC weniger Abbrecher

Abiturnote, Alter und vorherige Berufsausbildung standen dabei im Mittelpunkt. Auch andere Einflussgrößen wurden untersucht. Bei der Abiturnote gab es ein eindeutiges Ergebnis: Je schlechter die Note, desto höher das Abbruchrisiko. Im Studiengang Maschinenbau liegt die Studienerfolgsquote bei einer Abiturnote von 4,0 nur noch bei 27 Prozent, bei Note 2,0 dagegen bei 80 Prozent. Studienanfänger mit einer sehr guten Abiturnote von 1,0 gelangen im Maschinenbau sogar zu rund 95 Prozent zu einem erfolgreichen Abschluss.

Ähnliche Ergebnisse errechnen sich auch für die zwei anderen in die Untersuchung einbezogenen Studiengänge Medientechnik und Umwelttechnik. Was für Beratung und somit Studienentscheidung wichtig ist, gilt auch für das Thema Numerus Clausus (NC). "Mit der Einführung eines restriktiven NC von 2,0 erhöhen sich im Gegensatz zur gegenwärtigen Situation ohne NC die Absolventenquoten am Standort Amberg-Weiden deutlich", erklären die Autoren und errechnen für das Maschinenbau-Studium eine "simulierte Erfolgsquote von 85 Prozent".

War dieses Untersuchungsergebnis vielleicht vorhersehbar, so gilt das weniger für andere Resultate. Diese besagen unter anderem, "dass mit höher werdendem Alter bei Studienbeginn die durchschnittliche Erfolgswahrscheinlichkeit eines Studienabschlusses ebenfalls sinkt". So sinke in der Medientechnik die Wahrscheinlichkeit, das Studium erfolgreich zu beenden, pro Lebensjahr um zwei, in der Umwelttechnik um drei und im Maschinenbau sogar um fünf Prozentpunkte. Interessant ist auch die Feststellung, "dass eine abgeschlossene Berufsausbildung das Studienabbruchrisiko nicht erhöht".

In der Studie wird zudem festgestellt, dass Abiturienten von Gymnasien mit einer deutlich höheren Wahrscheinlichkeit als ihre Kommilitonen mit Fachoberschul-Abschluss ihr Studium erfolgreich abschließen. In der Medientechnik beträgt dieser Unterschied sogar 20 Prozentpunkte. Verfügt allerdings der Student neben Fachabitur auch noch über eine abgeschlossene Berufsausbildung, nähern sich die Quoten wieder an.

Vor Beginn aufklären

Die Daten der Untersuchung wurden 2014 aus einer Datenbank anonymisiert abgerufen und betreffen Studenten, die in den Jahren 2003 bis 2010 das Studium an der Hochschule Amberg-Weiden aufgenommen haben. Aufgrund ihrer Erkenntnisse empfehlen Rager und Rottmann, dass "Studienbewerber in Bezug auf ihre Studierfähigkeit unvoreingenommen vor dem Studienbeginn aufgeklärt werden sollen". Schüler mit geringer Schulleistung sollten im Vorfeld sensibilisiert werden, um ihre Leistungsdefizite auszugleichen. (Angemerkt)
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