"Abrafaxe" werden 40

Die Welt ist nicht genug: Zum 40. Geburtstag der Abrafaxe stehen die Comic-Figuren Abrax, Brabax und Califax (von links) beim Mosaik-Verlag auf einer Torte in Form einer halben Weltkugel. Bild: dpa

Sie zogen als Ritter durchs Mittelalter und trafen Nofretete im alten Ägypten. Seit vier Jahrzehnten erkunden die Abrafaxe im Kultcomic die Welt - und die Abenteuer gehen weiter.

Die drei Knollen-Nasen-Helden sind unterwegs in Rom im Jahr 300. Ihre Mission: Sie sollen die zwei Germanenkinder Ule und Vada zum Hof des römischen Kaisers bringen. Doch dann landen Abrax, Brabax und Califax hinter Gittern - ausgerechnet an ihrem Geburtstag. "Wiedersehen im Colosseum" heißt die Story in der Dezember-Ausgabe der Comic-Zeitschrift "Mosaik". Es ist das 480. Abenteuer der Abrafaxe - und die drei Helden samt der 20 Mitarbeiter des Berliner "Mosaik"-Teams feiern damit ihren 40. Geburtstag.

Ob mit Don Quijote und Sancho Pansa in Spanien, mit den Beatles zur Barockzeit in London oder mit Knödel-Fanny in Knödlingen im Jahr 1705: Während es den meisten ihrer Leser verwehrt war, erkundeten die Abrafaxe ferne Länder. Zu DDR-Zeiten waren die Hefte stets Mangelware. Heute werden im Monat etwa 70 000 Exemplare verkauft.

Um 1950 hatten die DDR-Oberen nach einer sozialistischen Antwort auf West-Comics wie "Micky Maus" gesucht. Am 23. Dezember 1955 erschien das erste "Mosaik" - mit den drei Helden Dig, Dag und Digedag, geschaffen vom Grafiker Hannes Hegen. Nach einem Streit um die politische Ausrichtung des Heftes, dessen Schöpfer Angestellte der DDR-Jugendorganisation FDJ waren, stieg Hegen 1975 aus. Die Reise der Digedags war zu Ende - und drei koboldartige Wesen mit einer riesigen Muskete blickten zum Jahreswechsel 1975/76 vom Titel des Heftes. Mit der Geschichte "Das Geheimnis der Grotte" begann die Ära der Abrafaxe von Zeichnerin Lona Rietschel.

Acht Zeichner erwecken monatlich die Abrafaxe zum Leben. Der blonde Abrax ist der Draufgänger und handelt sich so manchen Ärger ein, der rothaarige Brabax der kluge Kopf und Califax der herzliche Gemütsmensch. Trotz Computern werden die Storys noch immer per Hand gezeichnet. "Eine Linie, die ich auf einem elektronischen Tablet ziehe, sieht immer technisch aus", erklärte der Geschäftsführer des Berliner "Mosaik Steinchen für Steinchen"-Verlags, Klaus D. Schleiter, am Dienstag.

Seitenhieb an Konkurrenz

Im Jubiläumsjahr gibt es dennoch einen digitalen Schritt: Eine App, die Hintergrundinfos bietet, wenn man das Handy über markierte Stellen im Heft hält. Aber nicht auf alle Trends wollen Schleiter und sein Team aufspringen: "Wir kleben weiter kein Spielzeug auf das Heft vorne drauf."

Mehr als 210 Millionen "Abrafax"-Hefte sind bis heute erschienen. Den Comic gibt es auch in Österreich, Belgien, Spanien und Italien - und nicht nur Kids lesen "Mosaik". Und Schreiber Jens U. Schubert sagt: "Dass uns die Geschichten irgendwann ausgehen - diese Sorge habe ich nicht. Die Welt ist groß."
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