Adolfine Nitschke und ihre Faszination für alles Grüne
"Erst mal einen Tee"

Seit 14 Jahren bietet Adolfine Nitschke mittlerweile kulturelle Führungen für die Stadt Vilseck an - im Türmermuseum, im Burgturm oder durch die Altstadt. "Da wurde es wieder Zeit für eine neue Herausforderung", erzhählt sie uns von ihrem neuen Projekt.

"Wildkräuter begleiten mich schon mein ganzes Leben. Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, im KuBZ Waldsassen die halbjährliche Ausbildung zur zertifizierten Kräuterführerin zu machen."

Welchen Aspekt finden Sie bei Ihrer Aufgabe besonders spannend?

Wildkräuter wachsen sozusagen direkt vor unserer Haustür. Gänseblümchen und Löwenzahn kennt wohl jedes Kind. Doch wer etwas genauer hinschaut, kann auch Gundermann im Rasen erkennen, Scharbockskraut, Gänsefingerkraut.

Warum haben Sie die Ausbildung begonnen?

Das uralte überlieferte Wissen über die Heilkraft von Wildkräutern, das unsere Großeltern noch hatten, geht immer mehr verloren. Ich möchte vor allem junge Menschen wieder für das Thema Wildkräuter begeistern. In der neu gestalteten "Vilsaue" werde ich 2015 verschiedene Themenführungen für Jung und Alt anbieten. Und bei jeder Führung wird auf alle Fälle eine Kostprobe dabei sein. Denn eine Frage kommt bestimmt: "Kann man die essen?"

Was würden Sie gerne mal erleben?

Ich sehe mich als Kräuter-Ver-Führerin. Mein Ziel ist es, möglichst viele Menschen mit leckeren Rezepten zum Genuss von Wildkräutern zu verführen. Ich wünsche mir, dass die Teilnehmer an meiner Führung nach Hause kommen und ganz selbstverständlich Wildkräuter in ihren Speiseplan integrieren. Eine Hand voll Gänseblümchen im Salat, Gundermann schokoliert als Dessert, Giersch anstelle von Spinat oder "green Smoothies" mit heimischen Wildkräutern.

Auf welchen Aspekt Ihrer Arbeit legen sie besonderen Wert?

Die Hemmschwelle vor Wildkräutern verliert man am schnellsten, wenn man die Pflanzen mit allen Sinnen kennenlernt. Wie schon unsere Vorfahren berücksichtige ich möglichst die passende Jahres- und Tageszeit und halte mich an die überlieferte Ernteregel: maximal 1/3 der Ernte für mich, 1/3 für die Tiere, 1/3 für den Erhalt der Pflanze.

Wie lange dauert es, bis eine Führung fertig konzipiert ist?

Die Ideen kommen spontan, aber die Ausarbeitung ist ein Prozess. Das Grobkonzept ist schnell gemacht. Dieses wird immer mehr verfeinert. Es kommt eine Geschichte dazu, ein Gedicht, ein Spiel oder ein besonderes Rezept.

Wie viele verschiedene Angebote machen Sie?

Vorerst biete ich fünf Themenführungen an, sie sich an den Jahreszeiten orientieren.

Von wem haben Sie als Kind Ihr Wissen über die Natur gelernt?

Schon am ersten Tag meines Erdendaseins wurde mir von Mutti ein Teelöffel ungesüßter Kümmeltee verabreicht, um meine Bauchschmerzen zu lindern. Bei Halsschmerzen gab es Salbeitee, bei Fieber Wadenwickel. Kein Sommer verging ohne Mamas köstlich duftenden Hollerküchl oder einen frischen Schwoazbapfannkouchn. Ich hatte das Glück, mit Heilkräutern groß werden zu dürfen. Bei kleinen Wehwehchen ging man nicht zum Arzt oder bekam eine Tablette. Da hieß es "erst mal einen Tee".

Als Jugendliche nahm ich dann an einer Kräuterführung teil und begann die ersten Wildkräuter zu sammeln und zu verarbeiten. Einige Freunde haben meine ersten bitter schmeckenden Experimente nie vergessen.

Wo finden sich im www Ihre Angebote?

Bei www.vilseck.de - Veranstaltungen, bei vhs und bayerntournatur sowie unter www.zunderzauber.de
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