Älteste Thora-Rolle der Israelitischen Kultusgemeinde in Amberg
Ein wirklich großer Schatz

Rabbiner Dr. Elias Dray (Mitte) stellte Bürgermeister Michael Göth (links) und Stadtarchivar Johannes Hartmann in der ehemaligen Synagoge die Sulzbacher Thora-Rolle im Detail vor. Sie kam nach der Auflösung der jüdischen Gemeinde in der Herzogstadt im Jahr 1934 nach Amberg. Bilder: Royer (2)
 
Im Jahr 1793 kam dieses Thora-Rolle in die Sulzbacher Synagoge. Der Schutzmantel ist relativ neu - es steht darauf "Amberg 1969-70".
Sulzbach-Rosenberg. (oy) Sie hat die Nazizeit unbeschadet überstanden. Jetzt ist sie aber in die Jahre gekommen und müsste eigentlich restauriert werden. Doch dieses Unterfangen käme zu teuer. Die älteste Thora-Rolle der Israelitischen Kultusgemeinde Amberg wird künftig dort ausgestellt werden. Zuvor darf sie aber für ein Jahr zurück in ihre ursprüngliche Heimat.

Es kommt schon einer kleinen Sensation gleich, dass das heiligste Schriftstück der Juden - die Thora-Rolle - wieder in ihrem langjährigen Domizil gezeigt wird. Nachdem das religiöse Werk, das aus dem Jahr 1793 stammt, bereits in Israel auf eine mögliche Restaurierung geprüft wurde, kam es für einige Wochen ins Stadtarchiv der Herzogstadt, wo sie Restauratoren weiter unter die Lupe nahmen.

Leihgabe möglich

Jetzt beratschlagten der Amberger Rabbiner Dr. Elias Dray, Bürgermeister Michael Göth und Stadtarchivar Johannes Hartmann über die Möglichkeit, das wertvolle Schriftstück für ein Jahr als Leihgabe in der Synagoge zeigen zu können. Zunächst informierte der jüdische Geistliche, dass diese Rolle bereits im Juni zur Begutachtung nach Jerusalem zu einem Sofer (Schreiber) gebracht wurde. Dieser schätzte die Kosten der Restaurierung auf 40 000 bis 50 000 Euro, was der Amberger Gemeinde zu teuer gekommen wäre.

Der Plan ist nun, die alte Sulzbacher Thora-Rolle als Ausstellungsstück in der Synagoge der Nachbarstadt unrestauriert in einer Vitrine zu präsentieren. An ihren Ursprungsort Sulzbach wird sie aber im nächsten für ein Jahr zurückkehren. Gefeiert werden soll damit am 9. Februar die 350. Wiederkehr der Ausstellung des ersten Schutzbriefes für den Juden Feustel Bloch im Jahr 1666 durch Herzog Christian August.

Wichtige Rolle

Obwohl der Ablauf der Feierlichkeiten im nächsten Jahr noch nicht ganz festgezurrt ist, scheint klar, dass die historische Thora-Rolle dabei eine wichtige Rolle spielt. Rabbiner Dray könnte sich dabei unter anderem vorstellen, dass das religiöse Werk am Festtag bereits in Amberg bei einem Zug mitgetragen wird. Im Anschluss wird sie in die Herzogstadt überführt, wo in der Synagoge eine Feier mit jüdischer Musik vorgesehen ist.

Für einen Festvortrag soll bei Professor Dr. Michael Brenner angefragt werden. Der gebürtige Weidener lehrt am Lehrstuhl für Jüdische Geschichte und Kultur an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Außerdem ist er Internationaler Präsident des Leo-Baeck-Instituts.

Wie Dray und Hartmann gegenüber Bürgermeister Michael Göth berichteten, handle es sich bei dieser Thora-Rolle wirklich um einen großen Schatz. Es sei eines der wenigen erhaltenen Exemplare aus der Zeit vor 1933. Wie der Amberger Stadtheimatpfleger Dieter Dörner berichtete, wurde die älteste Thora-Rolle der Amberger Gemeinde zweimal vor ihrer Zerstörung bewahrt. Das erste Mal wurde sie in Sulzbach beim großen Stadtbrand 1822 gerettet. Und vor der Reichspogromnacht fand sie mit anderen jüdisch-religiösen Gegenständen eine neue Bleibe im Amberger Heimatmuseum (Klösterl). Dort waren die Sachen während des Krieges versteckt und kamen danach wieder zur jüdischen Gemeinde.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.