AfD feiert Hamburg-Ergebnis - FDP atmet auf: Suding rockt die Hansestadt
"Dann schaffen wir es überall"

Die Spitzenkandidatin der Hamburger FDP, Katja Suding (links), und der Spitzenkandidat der Partei Alternative für Deutschland (AfD) zur Bürgerschaftswahl, Jörn Kruse, stehen im TV-Studio. Bild: dpa
und Tim Braune, dpa "Katja, Katja", rufen die ersten, dabei ist die Siegerin gar nicht da, sondern flimmert nur mit ihrem strahlenden Lächeln über die Bildschirme. Das Thomas-Dehler-Haus ist proppenvoll, der Jubel ein paar Sekunden nach 18 Uhr riesig. Die gelben Balken steigen bei ARD und ZDF ziemlich hoch, die Hochrechnungen sagen 7,5 Prozent voraus - die FDP ist nach 16 Monaten Häme und Verachtung auf einen Schlag im Glücksrausch.

Erfolgreiche PR-Expertin

Katja Suding, die 39-jährige PR-Expertin, krönt damit eine sensationelle Aufholjagd. Monatelang dümpelte die FDP an der Elbe in Umfragen bei zwei Prozent, jetzt kann Suding wohl ihr starkes Ergebnis von 2011 (6,7 Prozent) sogar noch toppen. Bundeschef Christian Lindner und seine Führungscrew genießen die guten Zahlen oben im Präsidiumszimmer. Dann kommen sie die Treppe herunter. 200 Anhänger jubeln, Lindner winkt lachend von der kleinen Bühne. Hinter ihm leuchtet es Gelb, Blau und - Magenta. Das ist der neue FDP-Look. Seinen ersten Satz hat sich Lindner gut überlegt: "Die Freude und die Erleichterung ist groß, aber wir bleiben auf dem Teppich." Was auffällt am Sonntag bei den Liberalen, ist ein neues Wir-Gefühl. Jahrelang prägten Intrigen das Außenbild. Freiwillige aus ganz Deutschland unterstützten Suding. "Ich bin stolz auf dieses neue Teamwork in der FDP", sagt Lindner.

Die AfD zog schon um 17.06 Uhr ins "Parlament" zur Wahlparty im Hamburger Rathaus ein. Knapp eine Stunde danach zeigten dann die Prognosen, dass die rechtskonservative Partei künftig zwei Stockwerke höher im Parlament sitzen wird - in der Bürgerschaft und nicht nur im gleichnamigen Restaurant darunter.

Und so ließ sich der Spitzenkandidat der rechtskonservativen Partei Jörn Kruse auch nicht lange bitten, um seine Deutung des ersten Wahlerfolgs in Westdeutschland in die Mikrofone zu diktieren. "Wenn wir es jetzt in Hamburg geschafft haben und in Bremen, dann schaffen wir es überall - einschließlich Bundestag", sagte der emeritierte Wirtschaftsprofessor mit Blick auf die Bremen-Wahl am 10. Mai.

Betont bürgerlich-liberal

Hamburg ist für die AfD ein spezielles Pflaster. Hier dozierte Parteichef Bernd Lucke lange als Professor für Makroökonomie, hier wurde Vorzeige-Mitglied Hans-Olaf Henkel geboren - und nun gelang hier also der Sprung nach Westen. Das Rezept: In Abgrenzung zum rechtsnationalen Flügel gab sich die AfD an der Elbe betont bürgerlich-liberal.
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