Agrar-Experte Horst Arnold spricht sich gegen ein Verbot der Anbindehaltung von Rindern aus
SPD: Dramatische Folgen für Bauern

SPD-Agrarsprecher Horst Arnold hat vor einem Verbot der Anbindehaltung von Rindern gewarnt. Diese traditionelle Art der Rinderhaltung, bei der die Kühe überwiegend in Boxen in den Ställen untergebracht sind, sei ein "Lebenselement der bayerischen Landwirtschaft".

Die zwangsweise Umstellung in größere Laufställe, wie sie von den Ländern Hessen und Schleswig-Holstein aus Gründen des Tierwohls gefordert wird, gefährde die kleinteilige Landwirtschaft im Freistaat. Vor allem Nebenerwerbslandwirte würden bei einem Verbot wohl eher ihren Hof aufgeben als die notwendigen Investitionen zu tätigen, meinte Arnold. Statt eines Verbots der Anbindehaltung müsse es einen "langsamen Strukturwandel" geben. Das bayerische Landwirtschaftsministerium unterstützt diesen durch eine Sonderförderung. Bauern, die ihre Ställe von der Anbindehaltung in Laufställe umwandeln, erhalten einen um fünf Prozentpunkte erhöhten Fördersatz. Für Ställe mit reiner Anbindehaltung gibt es gar keine Zuschüsse mehr.

Mehr Kühe

Die Umstellung ist Ergebnis des Runden Tisches zur artgerechten Tierhaltung, den Agrarminister Helmut Brunner 2012 eingerichtet hatte. In den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl der Betriebe mit Laufställen bereits um sieben Prozent auf knapp 11 000 gestiegen, gleichzeitig sank die Zahl der Betriebe mit Anbindehaltung um 30 Prozent auf unter 12 000. In einem Anbindebetrieb werden durchschnittlich 33 Kühe gehalten, in solchen mit Laufställen 68.

Arnold fürchtet die Tendenz zu immer größeren Ställen mit Massentierhaltung. Auch das sei für das Tierwohl nicht optimal. Er wisse um die Tierschutzproblematik. Auch wenn es nur in Ausnahmefällen eine "lebenslange Einkerkerung" der Kühe gebe, so müsse doch zwischen dem Tierwohl und der Erwerbsfähigkeit kleiner Agrarbetriebe abgewogen werden. Erfahrungen aus der Schweinemast hätten gezeigt, dass unter dem vermeintlichen Siegel des höheren Tierwohls der Trend zur Massenhaltung zugenommen habe, so Arnold. Lebensmittel- oder Tierschutzskandale würden aber überwiegend von industriellen Produktionsstätten ausgehen.

Optimieren zum Tierwohl

Das abrupte Aus für die Anbindehaltung hätte laut Arnold "dramatische Folgen für das Gesicht der Landwirtschaft in Bayern". Kühe auf Weiden würden zur Seltenheit, immer mehr Kleinbauern würden aufgeben. Ziel dürfe nicht das Verbot der Anbindehaltung sein, sondern deren Optimierung im Sinne des Tierwohls.
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