Aigner: Keine Vorfestlegungen bei Stromtrassen
Bayern bleibt hart

Symbolbild: dpa
Berlin. (dpa) Bayern pocht beim umstrittenen Ausbau der Stromnetze auf Einhaltung des mit der Bundesregierung vereinbarten Fahrplans. Als Reaktion auf neue Vorschläge der vier Übertragungsnetzbetreiber, die an den geplanten großen Stromautobahnen von Nord nach Süd festhalten wollen, sagte die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) der Deutschen Presse-Agentur in Berlin: «Eine Vorfestlegung auf bestimmte Trassen ist damit nicht verbunden.»

Zunächst werde die Bundesnetzagentur den überarbeiteten Netzentwicklungsplan überprüfen. Der Freistaat werde dann im Frühjahr 2015 eine Stellungnahme abgeben, in die auch die Erkenntnisse aus dem gerade begonnenen Energiedialog mit den bayerischen Bürgern einfließen würden. Aigner zeigte sich selbstbewusst, dass niemand Bayerns Einwände ignorieren könne: «Die Bundesregierung hat zugesagt, die bayerische Stellungnahme deutlich zu berücksichtigen.»

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat große Bedenken gegen eine 800 Kilometer lange Stromtrasse von Nord- nach Süddeutschland. Das Projekt «SuedLink» gilt als Hauptschlagader der Energiewende. Daneben gibt es in Bayern auch massive Proteste gegen eine weitere Trasse, die Wind- und Braunkohlestrom aus dem Nordosten nach Süden bringen soll.

Zehn Fakten zum Stromnetz und den Ausbauplänen

Das deutsche Stromnetz muss deutlich erweitert und für die wachsende Einspeisung von Wind- und Solarstrom modernisiert werden. Ein Überblick über den Status Quo und die Ausbaupläne.

1,788 Millionen Kilometer: Gesamtlänge des deutschen Stromnetzes, die umstrittenen «Stromautobahnen» machen aber nur 35.000 Kilometer aus.

Kaum Blackouts: 15,91 Minuten betrug zuletzt die durchschnittliche Stromunterbrechung pro Haushalt im Jahr, 2006 waren es 21,53 Minuten.

1877 Kilometer: Wurde 2009 als dringend notwendiger Neubaubedarf an Höchstspannungstrassen beschlossen (EnLAG), gebaut sind erst 416 km.

NABEG: Nach dem Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG) wurde im Zuge des Atomausstiegs noch das Netzausbaubeschleunigungsgesetz beschlossen.

36 Projekte: Sollen neben den EnLAG-Projekten neu realisiert werden, das längste ist der 800 Kilometer SuedLink von der Küste nach Bayern.

1,24 Milliarden Euro: Netzinvestitionen und Aufwendungen der vier großen Übertragungsnetzbetreiber in Deutschland im Jahr 2013.

5,933 Mrd.: Investitionen der über 800 Verteilnetzbetreiber in ihr lokales Netz, über das der Strom zu den Bürgern transportiert wird.

Redwitz-Remptendorf: Die Trasse von Bayern nach Thüringen war zuletzt mit den meisten Eingriffsmaßnahmen eines der größten Sorgenkinder.

NordLink: Die 623 Kilometer lange Gleichstromverbindung soll ab 2019 erstmals deutschen Strom per Seekabel bis nach Norwegen bringen.

6500 Megawatt: Geplante Leistung an Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee, rund zehn Milliarden kann der ganze Netzanschluss kosten.
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