"Aktion Tschernobyl" schickt Sattelschlepper in die Ukraine
Hilfe - auch ohne Konvoi

Die Hilfsgüter waren in einer Halle im Gewerbegebiet-Süd verpackt und eingelagert worden. Am Sonntag beluden Helfer der "Aktion Tschernobyl" zusammen mit Dr. Josef Ziegler (rechts) den Sattelschlepper. Am Dienstag macht sich der Fahrer auf den Weg in die Ukraine. Bild: Götz
Pfreimd/Wernberg-Köblitz. (cv) "Erst die Betten, dann die Fliesen": Dr. Josef Ziegler und sein Team beladen den Sattelschlepper, der am Dienstag in die Ukraine aufbricht. Auch ohne Großkonvoi geht die Hilfe für Partnerkrankenhäuser der "Aktion Tschernobyl" weiter.

Die politisch-wirtschaftliche Situation, aufwändige Zollbestimmungen, neue bürokratische Zuschnitte unter Präsident Petro Poroschenko geben der Hilfe für die Ukraine in diesem Jahr einen alternativen Transportweg vor. Einer der Hauptgründe ist der blutige Ukraine-Russland-Konflikt. "Die West-Ukraine ist sicher", betont Dr. Ziegler. Sonst hätte er wohl kaum den letzten Konvoi 2014 fahren lassen. Doch "das Unbehagen", die Bedenken im Familienkreis der Konvoi-Fahrer, bleiben.

Drei Transporte

All das hat dazu geführt, dass in diesem Jahr eine Spedition den Transport übernimmt. Heute startet der erste Lkw gen Jagodin, zwei weitere sollen folgen. Bei der Inspektionsreise im März hat Dr. Ziegler mit Dolmetscher Sergej Zuba - ein Regensburger - den Krankenhäusern in Jagodin und Narodice sowie der Neurochirurgischen Klinik in Kiew einen Besuch abgestattet - mit Zollpapieren und der Genehmigung des ukrainischen Innenministeriums in der Tasche. Nun ist die Spedition Bavaria Trans am Zug.

Am Sonntag wurde der Sattelschlepper bei der Halle im Wernberger Gewerbegebiet-Süd von Mitgliedern der "Aktion Tschernobyl" beladen. Diesmal mit Betten, Nachtkästchen, Matratzen, Schränken, Bettwäsche, Handtüchern, Verbandsmaterial, Mundschutz und Handschuhen für das Krankenhaus in Jagodin. Dabei ist Inventar für Notunterkünfte des ukrainischen Roten Kreuzes, das Flüchtlinge aus der Ostukraine versorgt. Ebenfalls auf der Ladefläche: acht Tonnen Fliesen, "denn im OP-Saal in Jagodin bricht die Außenwand weg", erzählt Dr. Ziegler.

Das Mechanikerteam des Vereins - Robert Neblich und Walter Seidl - wird dann Mitte Mai in den Partnerkrankenhäusern Sterilisatoren reparieren, Ersatzteile einbauen. Am 26. Mai, wenn die Ware vom Zoll freigegeben ist, fliegt Dr. Ziegler nach Kiew, um nochmals ein Auge auf deren Verwendung zu werfen.

Dr. Ziegler hofft, dass es einen 25. Konvoi geben wird. "Die Menschen brauchen unsere Hilfe", betont der 73-Jährige mit Blick auf die politische Situation, die das Land wirtschaftlich zurückwerfe. "Wir müssen weiter machen, es darf doch nicht alles kaputt gehen, was wir in all den Jahren aufgebaut haben". Gemeint ist vor allem die medizinische Ausstattung in den Krankenhäusern in Kiew, Jagodin und Naroditschi. Tief gestapelt wurden in 24 Jahren Hilfsgüter im Wert von über zehn Millionen Euro in die Ukraine geschafft - auch dank unveränderter Spendenbereitschaft.

Praktikum in Pfreimd

Dr. Ziegler schlägt noch einen anderen Weg ein: Patenkind Vitali (24) studiert Medizin und macht heuer in Pfreimd ein Praktikum. Er bleibt nicht der einzige. Dr. Ziegler möchte "junge Menschen mitnehmen", damit sie in ihrem Land helfen können.
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