Alarm im Jobcenter

Wenn Flüchtlinge eine Arbeit suchen, müssen die Jobcenter die Hauptlast bei der Beratung und Vermittlung tragen. Fachleute bezweifeln, dass sie auf die wachsende Nachfrage vorbereitet sind. Selbst Bundesagentur-Chef Weise hält mehr Geld für nötig.

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, hält eine bessere finanzielle und personelle Ausstattung der Jobcenter für erforderlich, um die wachsende Zahl ratsuchender Flüchtlinge angemessen betreuen zu können. Er hoffe, dass die Bundesregierung im Haushalt 2016 dafür zusätzliche Mittel bereitstelle, sagte Weise der Deutschen Presse-Agentur.

Trotzdem sehe er die Gefahr, "dass die Mittel nicht ausreichen könnten, wenn die Zahl der Menschen, die in die Jobcenter als Flüchtling und Asylbewerber kommen, weiter steigt", sagte Weise. Es gelte, Flüchtlinge früher und besser in den Arbeitsmarkt zu integrieren, nur so ließen sich die Kosten minimieren.

Überbordene Bürokratie

Zudem werde die Arbeit in den von Kommunen und Bundesagentur geführten Jobcentern durch überbordende Bürokratie belastet. "Wer in der heutigen Zeit mehr Mittel fordert, muss als erstes fragen, ob es nicht möglich ist, die Leistung effizienter zu erbringen. Die (für die Arbeitsagenturen zuständige) Arbeitslosenversicherung hat mehr Geld, weil sie selbstverwaltet ist, weil sie unternehmerisch geführt ist." Leider gebe es bei den von der Bundesagentur angestoßenen Entbürokratisierungen in der Grundsicherung keine Fortschritte.

Der BA-Chef sprach sich dafür aus, das Sprachkursangebot für Asylbewerber auszubauen. Zuwanderer, die die deutsche Sprache nicht beherrschten, könnten von den Jobcentern und Arbeitsagenturen weder gefördert noch auf freie Stellen vermittelt werden. Für dieses und nächstes Jahr sei das Finanzierungsproblem bei Basis-Sprachförderkursen durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) noch "halbwegs gelöst". "Für 2017 muss die Anschlussfinanzierung beraten werden, damit sichergestellt ist, dass diese Sprachausbildung stattfinden kann", sagte Weise.

Die Bundesagentur selbst hat nach seinen Angaben bereits begonnen, sich auf die wachsende Zahl von Asylbewerbern in den Arbeitsagenturen vorzubereiten. Für Agenturmitarbeiter, die mit Asylbewerbern zu tun haben, böte die Bundesagentur inzwischen Englisch- und Französisch-Sprachkurse an. Auch sollen BA-Berater und Jobvermittler mit dem Umgang mit Menschen fremder Kultur vertraut gemacht werden: "Es geht um die Frage: Wie kann ich jemanden aus einem anderen Kulturkreis verstehen und ihm gut begegnen?", sagte Weise.

Um die Betreuung von Flüchtlingen zu intensivieren, würden zudem neue Stellen geschaffen. Damit sollen erfahrene BA-Mitarbeiter mehr Freiraum erhalten, etwa, um in Erstaufnahmeeinrichtungen zu gehen und dort potenzielle Talente und Kenntnisse von Asylbewerbern zu ermitteln. "So versuchen wir, mit einfachen und praktikablen Verfahren sofort zu klären, wer die Voraussetzung hat, relativ schnell in Arbeit zu kommen."

Dokumente übersetzen

Arbeitsagenturen sollen auch bei der Übersetzung von Dokumenten helfen und Dolmetscher engagieren können. Für dieses Maßnahmenpaket stünden 50 Millionen Euro aus dem Kriseninterventionsfonds der Bundesagentur zur Verfügung. Die für Notfälle reservierten Gelder hatte der BA-Verwaltungsrat erst vor kurzem freigegeben.
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