Alle Augen auf Merkel

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Bild: dpa

Mit ihrer Politik der kleinen Schritte ist der Bundeskanzlerin bis jetzt kein großer Wurf zur Rettung Griechenlands vor der Pleite gelungen. Doch der Euro ist stabil. So richtet sich der Blick weiter auf Merkel.

Alexis Tsipras legt seine Hand auf Angela Merkels Schulter und lenkt die Kanzlerin in Richtung Kameras. Er strahlt. Es ist der 23. März und der neue Ministerpräsident des hoch verschuldeten Griechenland ist zum Antrittsbesuch im Kanzleramt. Der 40-Jährige vermittelt ein wenig den Eindruck, er sei der Hausherr und die 20 Jahre ältere Angela Merkel ein hilfebedürftiger Gast. Ihre Beziehung sei positiv, betont Tsipras noch. Griechische physische und verbale Umarmung am Tag eins des Verhältnisses zur mächtigsten Frau Europas. Merkel ist distanziert. Deutschland sei nicht die Institution, die über die Richtigkeit der griechischen Reformen entscheide. Athen müsse seine Zusagen an die Geber einhalten.

105 Tage und viele quälende Krisensitzungen in Brüssel später ist das Verhältnis der schwarz-roten Bundesregierung und der Links-Rechts-Regierung in Athen auf dem Gefrierpunkt. Das Vertrauen ist hin, wenn es überhaupt je vorhanden war. Die Griechen haben Nein gesagt zum Reform- und Sparprogramm.

Kanzlerin gescheitert?

Ist Merkel nun gescheitert? Wenn die seit zehn Jahren regierende Christdemokratin so mächtig ist, warum konnte sie den regierungsunerfahrenen Tsipras nicht besser steuern? Warum konnte sie die anderen Euro-Länder nicht zu mehr Nachsicht gegenüber Athen bewegen? Seit fünf Jahren versucht sie, Griechenland durch Milliarden-Programme im Euro zu halten. "Scheitert der Euro, scheitert Europa", lautet ihr Mantra. Aber scheitert der Euro, wenn Griechenland zur Drachme zurückkehrt?

Seit geraumer Zeit versucht Merkel zu verhindern, dass ein wie auch immer geartetes Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro an ihr kleben bliebe. Sie betont immer wieder, dass die Euro-Zone heute, ganz anders als 2010, stabil sei.

Aus Sicht der Opposition im Bundestag hat Merkel viel falsch gemacht. Unrealistische Forderungen werden ihr vorgeworfen, weil Griechenland nicht gleichzeitig Schulden tilgen, sparen und reformieren könne. Zudem sei Merkel nie der große Wurf gelungen. Fünf lange Jahre Rettungspolitik für Griechenland zeugen von fehlender Weitsicht, heißt es.

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter wirft Merkel mangelnde Identifikation mit einem geeinten Europa vor. Für sie sei die EU ein "vor sich hin wurschtelnder Staatenbund, der lästiger Weise ein Parlament und eine im Kern überflüssige technokratische Kommission hat", sagt er. "So kann das nichts werden."

Fassungslosigkeit

Aber: Merkel sei nicht die Regierungschefin von 19 Euro-Staaten, sie sei Mitschuld an der Misere, aber nicht die alleinige Schuldige. Ein Grexit würde ihre Euro-Politik beschädigen - von Scheitern zu sprechen, wäre übertrieben, heißt es hinter vorgehaltener Hand selbst bei der Linken. In der Union ist die Fassungslosigkeit und teilweise auch Wut über Athen groß. Aber niemand habe ein Interesse, Griechenland aus dem Euro zu drängen, heißt es.
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