Alpakas, Schildkröten oder Hunde im Klassenzimmer
Tierische Helfer unterstützen Lehrer

Alpakas, Schildkröten oder Hunde im Klassenzimmer - in immer mehr bayerischen Schulen unterstützen Tiere die Lehrer. Die Schüler lernen Geduld, Ausdauer, Verantwortung und Einfühlungsvermögen. Bild: dpa
Cham. (dpa) Poldi ist wie ein Spiegel für die Schüler. Heute ist er bockig und lustlos, er möchte einfach nicht über die Rampe gehen. «Bitte», fleht ihn Nico an. «Jetzt komm, trau dich.» Aber Poldi bleibt stur und stemmt seine vier dünnen Beinchen fest auf den Boden. Doch auch Nico kann hartnäckig bleiben und beim dritten Anlauf im Hindernisparcours wagt Poldi den Gang über die Rampe. Nico strahlt.

Poldi ist ein weißer Alpaka-Wallach, der seit gut einem Jahr im Schuldienst eingesetzt wird. Im Umgang mit dem Tier wird der Schüler Nico selbst zum Lehrer, der Poldi immer wieder ermuntern und führen muss.

Nico besucht das Förderzentrum der Bildungsstätte St. Gunther im oberpfälzischen Cham. Die Schule bietet Kindern und Jugendlichen mit einer geistigen Behinderung oder Beeinträchtigung vielfältige Fördermöglichkeiten. Dass er Poldi bei einer schwierigen Aufgabe helfen konnte, macht den Jungen stolz. Auch mit zwei weiteren Alpakas, Max und Moritz, arbeitet er gerne.
«Alpakas sind keine Streicheltiere und den Kontakt zu ihnen aufzubauen ist ein Stück Arbeit», sagt der Schulleiter Thomas Herbst. Die Tiere vermittelten den Schülern Geduld, Ausdauer, Verantwortung und Einfühlungsvermögen. «Die Drei sind für uns ein absoluter Gewinn.»

Kuscheltiere sind auch Flocke, Flitzer, Ponk, TikTak, Lola, Breiti, Roberta und Rudi nicht. Im Gegensatz zu den Alpakas sind sie ganz schön lahm, aber ungemein beliebt bei den Grundschülern der Ilztalschule in Kalteneck bei Hutthurm. Die acht sind Schildkröten und sollen den Kindern vermitteln, wie wichtig Verantwortung und gegenseitige Rücksichtnahme ist.

«Jede Woche wechselt der Schildkrötendienst unter den Kindern», erklärt Schulleiterin Lisa Büttner. «Die Kinder nehmen von zu Hause Salat mit oder pflücken Futter von der Wiese. Auch ausmisten und täglich frisches Trinkwasser gehört zu den Aufgaben des Schildkrötendienstes.» Aber auch wer nicht gerade Dienst hat, hat ein wachsames Auge auf die Kleinen. «Schön zu beobachten ist, wie sich die Kinder gegenseitig ermahnen, wenn kein frisches Futter im Terrarium ist.»

Die Schildkröten werden zudem in den Unterricht eingebunden. Wie viel haben sie im letzten Monat zugenommen? Die Schüler rechnen eifrig, zeigt doch das Ergebnis, ob es den Schildkröten gut ergangen ist. «In den Ferien kümmern sich die Kinder, die in der Nähe wohnen, um die Schildis», versichert Büttner. «Wir möchten also unsere Schildis nicht mehr missen. Als nächstes Projekt wollen wir uns Hennen zulegen.»

Es gibt nur ein Problem: «Wir wissen noch nicht, wie wir das unserem Dackel beibringen könnten.» Der gehört Büttners Schulleiter-Kollegin Irmgard Paulik, die ihren Vierbeiner auch regelmäßig in die Schule mitbringt, sehr zur Freude der Kinder natürlich.

Auch die Grundschule Lindberg im Bayerischen Wald hat einen Hund. Die vier Jahre alte Luna, ein Australian Shepherd Mix, wird von der Grundschullehrerin Corinna Lang täglich mit zur Arbeit genommen. Luna ist nicht nur ein lebendes Anschauungsobjekt, wenn im Lehrplan der zweiten Klasse Haustiere auf dem Stundenplan stehen. Sie sorgt auch für Disziplin im Klassenzimmer, ist sie doch geräuschempfindlich. Steigt der Lärmpegel, verlässt die Hundedame das Klassenzimmer Richtung Lehrerzimmer – sehr zum Missfallen der Grundschüler.

Damit Luna zufrieden in ihrer Hunde-Ecke im Klassenzimmer bleibt, bemühen sich die Kinder, leise zu sein. «Das ist gerade für unruhige oder hyperaktive Kinder nicht leicht, aber für Luna bemühen sie sich sehr», sagt Corinna Lang. Eine ruhige und entspannte Atmosphäre im Unterricht komme letztlich allen zugute.

Gegen solche vierbeinigen Lehrer hat der Dienstherr, das bayerische Kultusministerium, nichts einzuwenden. Ganz im Gegenteil, wie eine Sprecherin bestätigt: «Aus Sicht des Staatsministeriums können zum Beispiel Hunde als pädagogische Helfer einen wertvollen Beitrag zur Entwicklung sozialer und personaler Kompetenzen leisten.» Die Entscheidung liege beim Schulleiter vor Ort.

Es gibt keine offiziellen Zahlen, wie viele tierische Pädagogen im Einsatz sind. Schulen, die keinen Hund haben, auf die Vorteile aber nicht verzichten möchten, können sich an die «Helfer auf 4 Pfoten» wenden. Ausgebildete Hundehalter kommen mit ihren Vierbeinern für ein paar Stunden auf Besuch vorbei und bringen Kindern bei, Hunde besser zu verstehen und respektvoll mit ihnen umzugehen.
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