Alt, aktiv und engagiert

Demografischer Wandel: In fast jedem dritten Haushalt leben ältere Menschen. Und die Senioren sind laut aktuellen Zahlen überaus aktiv. Bild: dpa

"Mit 66 Jahren ist noch lang noch nicht Schluss" - hieß es bei Udo Jürgens. In der alternden Gesellschaft sind auch tatsächlich immer mehr Ältere noch sehr aktiv. Allerdings fehlt es an altersgerechten Wohnungen. Viele jobben, um der Altersarmut zu entgehen.

Das Alter hat sich gewandelt: Viele der sogenannten Senioren sind auch im Rentenalter noch erwerbstätig, engagieren sich ehrenamtlich oder bilden sich weiter. Die Zahl der Rentnerhaushalte steigt ständig. In fast jedem dritten der 40,2 Millionen Haushalte in Deutschland lebt mindestens ein Rentner.

Die meisten Älteren wollen Experten zufolge möglichst lange in ihren eigenen vier Wänden bleiben oder etwa aus dem Reihenhaus am Stadtrand in eine kleinere, zentral gelegene, bezahlbare Wohnung umziehen. Nach Einschätzung des Sozialverbands VdK fehlen derzeit aber rund 2,7 Millionen altersgerechte Wohnungen. Bis 2030 werde die Lücke voraussichtlich 3 Millionen betragen. Der Investitionsbedarf dafür wird auf bis zu 50 Milliarden Euro geschätzt, wie es beim Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung heißt.

Weiter berufstätig

Immer mehr Menschen arbeiten noch im Alter: 966 000 über 65-Jährige waren dem Statistischen Bundesamt zufolge 2014 berufstätig. Das waren mehr als dreimal so viele wie 1991 (320 000) und 70 000 mehr als 2013. "Ein wichtiger Grund, im Ruhestand weiterzuarbeiten, ist die Vermeidung drohender Altersarmut", heißt es in einer Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) von 2013. Fast jeder vierte Ruheständler geht demnach einer Erwerbstätigkeit nach, darunter deutlich mehr Männer als Frauen. Die meisten Rentner arbeiten zwischen fünf und zehn Stunden in der Woche.

Rund 44 Prozent der 55- bis 70-Jährigen kümmern sich der BiB-Studie zufolge um die Betreuung von Kindern, Enkelkindern oder Pflege zu Hause. Dies gilt besonders für die Frauen. Ehrenamtliche Tätigkeiten, meist in Vereinen, übernehmen 45 Prozent der rund 5000 Befragten. Dabei sind die Männer etwas stärker vertreten. Je nach Intensität machen manche auch beides: Familienarbeit und Ehrenamt. Spaß und Soziales stehen beim Ehrenamt als Motivation im Vordergrund.

Zurück an die Uni

Manchen zieht es im Rentenalter auch in den Hörsaal. Jeder zweite Gasthörer an deutschen Hochschulen ist laut Statistik mindestens 60 Jahr alt. Etwa 14 300 hatten ihren 65. Geburtstag im Wintersemester 2014/15 schon hinter sich. Die beliebtesten Fächer waren Geschichte, Philosophie und Wirtschaftswissenschaften. Gasthörer können auch ohne Hochschulreife die Vorlesungen besuchen, aber keine Abschlussprüfung ablegen. Die Zahl der ordentlichen Studenten im Rentenalter betrug 2336. Der älteste war 96 Jahre alt.

Ältere Menschen lesen auch häufig Bücher, wie aus einer Erhebung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels hervorgeht. 41 Prozent der 60- bis 69-Jährigen und 42 Prozent der mindestens 70-Jährigen mehrmals in der Woche.
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