Amberger Verein: Interessen der Kinder in Mittelpunkt stellen - 14-tägige Wechsel das Ziel
Trennungsväter beklagen "Kartell"

Der in Amberg ansässige, bundesweit tätige Verein "Trennungsväter" will die Rechte der zwangsweise von ihren Kindern getrennt lebenden Väter stärken. Im Münchener Presseclub legte der Vereinsvorsitzende Thomas Penttilä am Dienstag einen umfangreichen Forderungskatalog an Politik, Justiz und Behörden vor. Ziel müsse es sein, dass Kinder gleichberechtigten Zugang zu ihren getrennt lebenden Eltern erhielten. Jugendämter und Familiengerichte würden in rund 90 Prozent der Fälle das Sorgerecht den Müttern zusprechen.

"Reine Zahlväter"

Bundesweit seien davon rund 1,5 Millionen Männer betroffen, die gegen ihren Willen und nicht selten aufgrund sachlich fragwürdiger Urteile zu "reinen Zahlvätern" würden, erklärte Penttilä. Wichtig sei es, in den Verfahren zwischen der gescheiterten Paarbeziehung der Eltern und deren Verantwortung für die gemeinsamen Kindern zu unterscheiden. "Eine Paarbeziehung kann zu Ende gehen, eine Elternbeziehung bleibt immer bestehen", sagte Penttilä.

Als Folge der Sorgerechtspraxis breche der Kontakt zwischen Vater und Kind bereits kurze Zeit nach der Trennung der Eltern ab. "Das muss nicht so sein, wenn die wirklichen Interessen der Trennungskinder im Mittelpunkt stünden", sagte Penttilä. Er sprach von einem "Kartell aus Jugendämtern und Familiengerichten", in das auch die amtlich bestellten Gutachter involviert seien.

Aus Gesprächen mit vielen Trennungsvätern wisse er, dass deren berechtigte Interessen von den Jugendämtern oft mit dem Argument beiseitegewischt würden, die Kinder seien besser bei der Mutter aufgehoben - selbst dann, wenn es daran fachlich Zweifel gebe. "Häufig verursachen diese Instanzen mehr Schaden als Nutzen für die Kinder", urteilte Penttilä scharf. Zudem kämen viele Väter mit ihrer Ohnmacht psychisch nicht klar.

Vorbild Skandinavien

Hauptforderung des Vereins ist die Zulassung des sogenannten "Wechselmodells" für die Betreuung von Kindern getrennt lebender Eltern als bevorzugte Verfahrensweise. Dieses sieht vor, dass die Kinder im 14-tägigen Wechsel bei Vater und Mutter leben. In skandinavischen Ländern werde das Modell bereits erfolgreich angewandt.

Eine Studie in Schweden, wo 40 Prozent der Trennungskinder im Wechselmodell lebten, habe dessen Vorteile eindeutig dokumentiert, berichtete Penttilä. Die nur bei einem Elternteil lebenden Kinder hätten dort einen signifikant höheren Bedarf an psychologischer und psychiatrischer Betreuung.
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