An der Front des Klimawandels

An jedem Samstag ist Mangroven-Pflanztag. Ziel ist es, 42 Hektar Mangrovengürtel gemeinsam zu schützen und wiederaufzuforsten. Denn während des Taifuns Haiyan vor zwei Jahren wurde nur ein Dorf verschont, das durch Mangroven geschützt war. Bilder: Meissner/Misereor (2)

Die Menschen auf den Philippinen spüren längst unmittelbar die Folgen des Klimawandels. Spätestens seit der Taifun Haiyan vor zwei Jahren weite Teile verwüstete ist dies allen klar. Sie versuchen, sich selbst zu helfen. Und: Sie hoffen auf die Europäer.

Eric Ley H. Mundiz ist auf Werbetour für die Ärmsten der Armen in seiner Heimat Philippinen. Es sind die Badjao, Seenomaden, die ihre Hütten auf Stelzen in der Mündung des Flusses Davao im Südosten der philippinischen Hauptinsel Mindanao gebaut haben. Hierhin sind sie wegen des Bürgerkriegs im Südwesten von Mindanao geflohen - doch sicher sind die Fischerfamilien auch in Davao nicht. Ihre Hütten sind den immer häufiger werdenden Starkregen, Stürmen und Wellen schutzlos ausgeliefert.

"Früher galt Mindanao als Taifunfrei", sagt Mundiz. Heute gelte dies wegen des Klimawandels nicht mehr. "Es gibt auf den Philippinen keinen sicheren Platz mehr." Die Wege der Stürme haben sich verändert, erzählt er. Sie seien unberechenbar geworden. Gut 60 Prozent der 107 Millionen Philippiner leben an der Küste - und sind damit gefährdet. Rund 20 schwere Stürme und Taifune treffen das Land jährlich. Beim bislang größten, Haiyan, im Jahr 2013 starben mehr als 6300 Menschen, rund 14,1 Millionen waren betroffen.

Der Sozialarbeiter reist als Gast des katholischen Hilfswerks Misereor durch Deutschland. In den vergangenen Tagen besuchte er Pfarrgemeinden im Bistum Regensburg, zuvor war er im Erzbistum München-Freising. In den nächsten Tagen besucht er noch Osnabrück, Paderborn und Münster-Recklinghausen.

Tauchen ohne Atemgerät

Mundiz arbeitet für die Minland-Stiftung, eine Partnerorganisation von Misereor. Er wurde 1982 in Davao-City geboren, und hat einen Master in Öffentlicher Verwaltung und einen Bachelor in Sozialarbeit. Als Entwicklungsbeauftrager von Minland in seiner Heimatstadt Davao-City unterstützt er die Menschen in den Elendsquartieren dabei, sich selbst zu helfen. Denn auf Hilfen durch Rettungskräfte im Falle eines Sturmes brauchen diese nicht zu hoffen. Es gibt keine Straßen, und damit auch kein Durchkommen.



Zu den Ärmsten der Armen zählen die Bajao. "Sie sind Speerfischer", erzählt Mundiz bei seinem Besuch in Weiden. "Sie tauchen ohne Schutzausrüstung bis zu 30 Meter tief, um Fische zu jagen." Doch die Ausbeute wird immer geringer. Vor einigen Jahren hätten sie an einem Tag noch rund zehn Kilogramm Fisch fangen können, heute seien es nur mehr rund zwei Kilo. Der Rückgang ist eine Folge des Klimawandels, der die Korallen zerstört, und damit die Fischfanggebiete der Bajao.

Deshalb entwickelt die Stiftung zusammen mit den Fischern neue Möglichkeiten, wie diese ein Einkommen erzielen und sich ernähren können. Dazu gehört Gemüseanbau. Doch statt in Blumentöpfen, die unerschwinglich wären, nehmen die Bajao Schuhe oder anderes Treibgut, um ihre Pflanzen zu ziehen. Zudem haben sie begonnen, Perlen zu sammeln, machen daraus Ketten und verkaufen diese an Touristen. Einige verkaufen gebrauchte Kleidung, auf den Philippinen Ukay-ukay genannt.

Die wichtigste Hilfe ist jedoch die Hilfe zur Selbstverwaltung für die kleinen Dorfgemeinschaften. So erstellten sie Karten, um zu erkennen, welche Hütten bei Flut und Stürmen besonders gefährdet sind. Es gibt Wasserstandsanzeiger, damit alle wissen, wann es Zeit ist, sich in Sicherheit zu bringen. Und: Es gibt Sammelpunkte, die erhöht liegen, wo Alte, Kinder und Kranke hingebracht werden - und wo Schulkinder ihre Eltern wiederfinden können. Zudem hätten alle gelernt, Notfalltaschen zu packen, mit Dokumenten sowie Lebensmitteln und Wasser. Einige Bajao erhielten eine Ersthelferausbildung, um kleinere Verletzungen selbst versorgen zu können.

Die Bajao wollen sich jedoch nicht geschlagen geben. Sie versuchen ihre unmittelbare Umwelt zu verändern, um den Naturgewalten nicht schutzlos ausgeliefert sein. Sie sammeln den Müll am Strand ein, damit er nicht in ihre Hütten gespült wird. Und sie pflanzen Mangroven. Denn vor zwei Jahren wurde ein Dorf vom Taifun Haiyan verschont - die Mangroven schützten es.
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