Andreas Kümmert verzichtet auf ESC-Finale
Eklat beim Vorentscheid

Andreas Kümmert. Bild: dpa
Hannover. (dpa) Ein einzigartiger Eklat in der Geschichte des Grand Prix: Mit einem überraschenden Rückzieher hat der Sieger des deutschen ESC-Vorentscheids, Andreas Kümmert, viele Zuschauer vor den Kopf gestoßen. In Internet-Foren gab es am Freitag enttäuschte und wütende Kommentare. Allerdings wurde dem unangepassten Rock- und Bluessänger aus Bayern auch Respekt für seine Entscheidung gezollt.

In der Show «Unser Song für Österreich» hatte der 28-Jährige nach Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses völlig überraschend seinen Verzicht erklärt: «Ich bin nicht wirklich in der Verfassung, diese Wahl anzunehmen», sagte der Bartträger mit der gewaltigen Stimme. Nun soll die Zweitplatzierte, Ann Sophie, Deutschland am 23. Mai beim ESC-Finale in Wien vertreten.

Moderatorin Barbara Schöneberger erklärte die 24-Jährige noch in der Live-Show am Donnerstagabend zur Siegerin. Ann Sophie zögerte zunächst, nahm das Ticket nach Wien dann aber an. Sie sagte später: «Ich finde das megamutig, dass er in dem Moment so auf sein Herz gehört hat.»

Der Soulsänger Max Mutzke, deutscher ESC-Teilnehmer von 2004, hat Verständnis für Kümmerts Entscheidung: «Ich kann sie nachvollziehen, weil der Druck hinter den Kulissen enorm groß ist.» Gleichzeitig sei es schwierig, weil eine Absage immer auch das Publikum enttäusche.

Der Rückzug eines vom Publikum gewählten Kandidaten ist in der fast 60-jährigen Geschichte des früheren Grand Prix einmalig. Kümmert sagte auf der Bühne, dass er «nur ein kleiner Sänger» sei. Ende 2013 hatte der untersetzte Mann aus Unterfranken die Castingshow «The Voice of Germany» gewonnen. Auch damals soll ihm der Trubel um seine Person mehrfach zu viel geworden sein.

«Die Lampe ist zu groß, die da angeht», sagte Siggi Schuller von der Plattenfirma Universal in einem ARD-Video. «Er hat alles gegeben und irgendwann festgestellt, dass er es einfach nicht packt.» Er glaube, Kümmert habe einfach spontan entschieden. «Wir haben da mit offenem Mund gestanden», sagte ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber, der nie mit einem solchen Rückzug gerechnet habe. Es sei Kümmerts Idee gewesen, beim ESC dabei zu sein, betonte er.

Ein Sprecher der veranstaltenden European Broadcasting Union (EBU) reagierte gelassen. «Wir haben keine Vorgaben, wie die Nationen ihre Künstler für das Finale auswählen», sagte EBU-Sprecher Jarno Siim der Zeitung «Die Welt» (Online). «Für uns gilt derjenige als Kandidat, der im Mai zum Head of Delegations Meeting in Wien erscheint.» Der Rückzug Kümmerts gefährde Deutschlands Teilnahme nicht, «auch wenn es meinen Informationen nach bisher einzigartig ist».

Der deutsche ESC-Vorentscheid, der in einem Eklat endete, hat deutlich weniger Zuschauer angezogen als im Vorjahr. 3,20 Millionen Menschen schalteten am Donnerstagabend um 20.15 Uhr das Erste ein, um die Show «Unser Song für Österreich» zu verfolgen. Das entspricht einem Marktanteil von 10,3 Prozent. Im Vorjahr waren es noch 3,95 Millionen gewesen.

Ann Sophie wird am 23. Mai in Wien ihren souligen Popsong «Black Smoke». Die 24-Jährige hatte sich beim ESC-«Clubkonzert» in Hamburg die Wildcard für den Vorentscheid gesichert. Internationale Erfahrung bringt die Hamburgerin mit. Sie wurde in London geboren und ging mit 20 nach New York, um Schauspiel zu studieren. Dort startete sie auch ihre Musikkarriere.

Der Eurovision Song Contest wird seit 1956 ausgetragen. Deutschland hat bisher nur zwei Mal gewonnen, 1982 mit Nicole und 2010 mit Lena. 2014 war das Frauentrio Elaiza für Deutschland angetreten und auf dem enttäuschenden 18. Platz gelandet.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.