Angemerkt Das Internet vergisst nichts

Auf den ersten Blick wirkt Albert Deß' Facebook-Seite wie ein Kampfansage an den grünen Zeitgeist: Jede vorzeitige Kirschblüte im Mittelalter wird zum schlagenden Beweis gegen den vom Menschen gemachten Klimawandel hochgejubelt. Kommentatoren bezichtigen wie 9/11-Verschwörungstheoretiker die wissenschaftliche Elite der Fälschung. Ganz schön abenteuerlich, für einen CSU-Europaabgeordneten.

Dabei ist der Oberpfälzer auf den zweiten Blick alles andere als ein atomkraftfixierter Beton-Technokrat: Als Gründer des "Vereins zur Förderung nachwachsender Rohstoffe und Energie" war der Landwirt ein Öko-Pionier in der CSU. Mit seinem Entwicklungshilfeprojekt in Brasilien zeigt der Christ Herz für die Opfer des weltweiten Turbokapitalismus. Das Gute tun, ohne das Sinnvolle zu lassen - den Ausbau der regenerativen Energien nicht nur in Deutschland - wäre ein schönes Motto für den Europäer aus Röckersbühl.

Insofern war eine Einordnung seiner FB-Positionen überfällig: Sie zeigt, dass es dem bodenständigen Landwirt nicht um eine hirnlose "Weiter-So!"-Politik geht. Und ja, auch der wissenschaftliche Mainstream kann irren. Aber: Ob das Öl, wie vom Club of Rome vor 30 Jahren prophezeit, heute oder etwas später zur Neige geht, ändert nichts daran, dass die Ressourcen endlich sind. Der Preis der Förderung wird immer höher - ökonomisch und ökologisch. Deshalb wäre es klug, wenn auch solche Positionen Platz finden würden auf der genannten Seite. Denn, Herr Deß, das Internet vergisst nichts!

juergen.herda@derneuetag.de

Hintergrund

Ja zur Reform des Emissionshandels

Straßburg.(dpa) Die EU reformiert ihren Handel mit industriellen Rechten zum Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2). Das Europaparlament stimmte dem Schritt am Mittwoch in Straßburg zu. Beim Emissionshandel können Unternehmen untereinander nach Bedarf mit Rechten zum CO2-Ausstoß handeln.

Da der Preis sehr niedrig ist, fehlen derzeit aber Anreize für Investitionen in klimaschonende Technologien. Die Reform soll dies ändern: Ab 2019 sollen etwa 1,5 Milliarden CO2-Rechte in eine Art Ablage geschoben und so dem Markt entzogen werden. Die Verknappung soll die Preise stabilisieren.
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