Angemerkt zum Brand in der Asylunterkunft Neustadt/Waldnaab
Ein Auge auf unsere Gäste

In der Asylunterkunft In der ehemaligen Gaststätte "Krone" brannte am Freitagmorgen ein Tisch. Bild: Steinbacher

Urteile sind schnell gefällt. In jeder Richtung. Bei dem brutalen Überfall auf eine 25-Jährige in Pressath im Mai quollen die sozialen Medien über mit übelsten Vorverurteilungen: "Das waren sicher die Asylanten." Waren sie nicht, interessierte aber die Rufmörder danach nicht mehr.

Keine Überraschung, dass umgekehrt ein Brand in einer Asylunterkunft sofort mit einem rechtsradikalen Anschlag assoziiert wird. Dafür gibt es leider gute Gründe: Diese widerwärtigen Fälle mehren sich mit jeder neuen Nachricht über das wachsende Flüchtlingselend.

Die Polizei hat deshalb nach dem Brand in Neustadt keinen leichten Job: Sie will nicht in den Verdacht geraten, rechte Umtriebe herunterzuspielen. Die NSU-Affäre ist nur allzu präsent. Und als Nachfolgeorganisation des Freien Netzes Süd treibt die "Dritte Weg"-Partei in der Region ihr Unwesen.

Richtig ist aber auch, dass man sich erst nach Auswertung aller Spuren ein Bild vom Tathergang machen kann - und nur auf Basis von Fakten Schlüsse ziehen sollte. Und bis dahin könnten sich die vernünftigen Bürger Neustadts dem vorbildlichen Engagement der vielen Flüchtlingshelfer anschließen - und ein Auge auf unsere Gäste werfen.



Hintergrund

Chronik einer wachsenden Gefahr

München.(epd/jrh) Die Zahl der Straftaten gegen Flüchtlingsunterkünfte nimmt zu. Bis Ende Juni dieses Jahres verzeichnete das Bundeskriminalamt 151 politisch motivierte Straftaten gegen solche, davon 17 Gewaltdelikte. Einige Vorfälle allein in Bayern in den vergangenen Monaten:

Juli 2015:

Waldaschaff: Brand in einer Flüchtlingsunterkunft. Ein in der Garage abgestellter Papiercontainer brennt. Von den 30 Bewohnern wird niemand verletzt.

Reichertshofen: Brand in einer geplanten Unterkunft für Asylbewerber. Sachschaden in Höhe von rund 150 000 Euro. Keine Verletzten.

Juni 2015:

Vorra: Brand in einer geplanten Flüchtlingsunterkunft. Der oder die Täter sind bislang unbekannt.

Weiden: In der Nacht zum 10. Juni sollte das Asylbewerberheim in Weiden zum Ziel eines Brandanschlags werden. 90 Menschen wohnen in der Unterkunft, verletzt wurde niemand, da das Feuer rasch wieder ausging.

Mai 2015:

Pfreimd: Ein unbekannter Täter wirft einen Stein gegen die Scheibe im ersten Stock des Wohnheims für Asylbewerber und flüchtet mit einem Pkw.
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