Angst nur vor dem Wetter-GAU

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann strahlt vor dem Schlosshotel Elmau mit der Sonne um die Wette. Auf den Protest gegen den G7-Gipfel, der am 4. und 5. Juni hier stattfindet, sei die Polizei bestens vorbereitet. Bild: dpa

Glaubt man Innenminister Joachim Herrmann, dann ist die bayerische Polizei für den G7-Gipfel im Schlosshotel Elmau auf alles vorbereitet. Sogar wenn Frederik und Günther ihre Brüder schicken sollten.

So hießen 2013 die Tiefdruckgebiete, die am letzten Pfingstferienwochenende das schlimmste Hochwasser in Bayern seit Jahrhunderten auslösten. Auf den Tag genau zwei Jahre später werden die G7-Staats- und Regierungschefs auf Einladung von Kanzlerin Angela Merkel im abgeschiedenen Hochtal vor dem Wettersteingebirge konferieren. Je nach Wetterlage hat der Planungsstab der Polizei "Plan B, C und D" in der Schublade, sagt Herrmann.

Nebel, tief hängende Wolken, Dauerregen - das wäre der Wetter-GAU für den Gipfel. Nicht nur die schönen Bilder mit Blick auf die Zugspitze würden ins Wasser fallen - auch US-Präsident Barack Obama könnte dann nicht mit dem Hubschrauber vom Münchener Flughafen zum Tagungsort gebracht werden, sondern müsste die 150 Kilometer im Auto zurücklegen. Drei Autobahnen und die halbe Münchener Innenstadt müssten dafür einige Stunden lang komplett abgeriegelt werden.

Gelassenheit in Person

Herrmann ist trotzdem die Gelassenheit in Person. 15 000 Polizisten werden während der Gipfeltage im Einsatz sein, die Hälfte davon wird aus ganz Bayern zusammengezogen. Für die Pfingstferien und die Woche danach herrscht Urlaubssperre bei der Polizei. Rechnerisch wird dann jeder vierte bayerische Polizist in und um Elmau Dienst tun, was in so mancher Dienststelle auf dem Land für gemischte Gefühle sorgt. "Es werden genügend Polizisten in der Fläche bleiben", begegnet Herrmann diesen Sorgen. Ein großer Teil des bayerischen Kontingents werden Bereitschaftspolizisten sein, aus den Bezirken würden zusätzlich nur die Einsatzzüge abgezogen. "Der normale Streifenpolizist ohne besondere Aufgabe wird nicht nach Garmisch geschickt", versichert Herrmann. Und: "Soweit ich das wahrnehme, sorgt das in der Fläche für keine nennenswerten Probleme." Mulmig ist dafür den Kommunalpolitikern im Werdenfelser Land, die Randale-Bilder von der EZB-Einweihung aus Frankfurt haben Wirkung gezeigt. Man fürchtet, dass eben nicht nur schöne Bilder von Trachtlern, Bergen und weiß-blauem Himmel um die Welt gehen. Die Angst vor den Gewaltbereiten aus dem schwarzen Block der Globalisierungsgegner sitzt tief.

Aus jedem Satz des Garmischer Landrats Toni Speer (Freie Wähler) ist herauszuhören, dass auswärtige Demonstranten nicht willkommen sind. Für Demo-Camps wollen sie keine Flächen zur Verfügung stellen, "weil wir die Wiesen als Futtergrundlage für unsere Tiere brauchen". Und Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin Sigrid Meierhöfer (SPD) ergänzt, dass es in ihrer Marktgemeinde keine Demonstrationswege gebe. "Wir leben in einem engen Gebirgstal, da stoßen wir an unsere Grenzen", sagt sie. Als ob das international vernetzte Chaoten abschrecken würde.

Die Wackersdorf-erfahrene Grünen-Kreisrätin Tessy Lödermann hat kein gutes Gefühl ob dieser "Vogel-Strauß-Politik". Sie fürchtet ganz schlicht eine "Flächennahme" durch die Chaoten, ein "Katz-und-Maus-Spiel" von Randalierern mit der Polizei ohne Rücksicht auf den Natur- und Landschaftschutz in der Tourismusregion.

Jagdszenen im Hochmoor

Von alten Schmuggler- und Wildererwegen sei die Gegend genauso durchzogen wie von schwerlastfähigen Forststraßen. "Diesen Landkreis kriegt man nicht dicht", schwanen ihr Jagdszenen in Hochmoor und Unterholz. Dem Landrat und den Bürgermeistern empfiehlt Lödermann, Demonstrationsflächen auszuweisen. Die ließen sich dann leichter kontrollieren.

Auch Innenminister Joachim Herrmann ist die schwierige Topographie bewusst. "Wir haben uns den Tagungsort nicht ausgesucht", distanziert er sich vorsichtig von der Wahl der Kanzlerin. Die bewaldeten Berge seien jedenfalls eine andere Herausforderung als der G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm an der Ostsee. "Da haben Sie jeden auf fünf Kilometer am Strand laufen sehen. Wenn sich hier drei in die Büsche schlagen ..." - Herrmann mag den Satz nicht Ende führen. Aber trotzdem: "Wir arbeiten jetzt seit einem Jahr an dem Sicherheitskonzept und wir sind sehr gut vorbereitet."

Heilfroh, sich nicht auch noch um die Sicherheit seiner Gäste kümmern zu müssen, ist Hausherr Dietmar Müller-Elmau. Für 40 Millionen Euro hat er dem bestehenden Hotelbau ein zusätzliches Gästehaus mit 13 Suiten hinzugefügt, das dieser Tage eröffnet wurde. Dessen Vorzüge preist er ohne einen Anflug von Bescheidenheit als in jeder Hinsicht Weltspitze an. "Ich habe hier überall das Maximum gemacht, es gibt keinen Platz, der nicht fantastisch ist", schwelgt Müller-Elmau bei Kaiserwetter vor den noch schneebedeckten Gipfeln des Wetterstein. Insofern fürchtet der Schlossherr die Tiefdruckbrüder von Frederik und Günther hier oben viel mehr als die Chaos-Brüder vom schwarzen Block.
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