Angst vorm Abgleiten ins Dunkel

Viele fürchten den Kontrollverlust durch eine Demenzerkrankung. Bild: dpa

Bei Krebs und Alzheimer sind Ärzte oft machtlos. Viele Menschen fürchten diese Krankheiten darum besonders, wie eine Umfrage zeigt. Eine Forscherin führt die Angst vor Demenz auf den drohenden Kontrollverlust zurück.

Jeder zweite Deutsche hat einer Umfrage zufolge Angst, an Demenz zu erkranken. Vor allem die über 60-Jährigen fürchten Alzheimer und ähnliche Erkrankungen, wie die Krankenkasse DAK-Gesundheit als Auftraggeberin der Studie am Donnerstag mitteilte. Am meisten Angst mache den Deutschen aber immer noch Krebs. 68 Prozent der Befragten äußerten in der repräsentativen Erhebung des Forsa-Instituts die Furcht vor einem Tumor. Bei den Jüngeren (14 bis 44) ist diese Angst mit 73 Prozent am größten.

Nach Angaben der Krankenkasse leiden derzeit rund 1,5 Millionen Menschen in Deutschland unter einer Demenz. Experten erwarteten, dass sich diese Zahl bis 2050 verdoppeln werde, hieß es. "Diese Entwicklung macht offensichtlich vielen Menschen Angst", sagte Eva Walzik von der DAK in Berlin. Es sei eine große Herausforderung für die Politik, darauf zu reagieren. Die neue Pflegereform sei ein richtiger Ansatz, die Bedingungen für Demenzkranke und deren Angehörige zu verbessern.

Die Psychologin und Demenzforscherin Isabella Heuser von der Berliner Charité sagte, die Furcht vor der Demenz sei vor allem eine Angst vor dem Kontrollverlust. "Der Mensch will immer in Kontrolle sein und die Gründe für etwas verstehen. Bei einer Demenz hat man aber immer weniger die Kontrolle", sagte Heuser. "Das ist etwa bei Krebs anders." Weit weniger Schrecken lösen der Studie zufolge Aids und andere Geschlechtskrankheiten aus. Diese Leiden landeten in der Befragung auf Platz 10, noch hinter zum Beispiel Diabetes und einer schweren Lungenerkrankung.
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