Anschlag auf Zeitung: Zwölf Tote in Paris

Rettungskräfte bringen einen Verletzten vom Tatort in der Pariser Innenstadt ins Krankenhaus. Zwölf Menschen starben bei dem Anschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo". Bild: AFP

Das Satiremagazin "Charlie Hebdo" hat immer wieder religiöse Eiferer auf die Schippe genommen. Bissige Kritik richtete sich auch gegen Islamisten. Nun wurde das Blatt anscheinend genau deshalb zum Ziel eines brutalen Mordanschlags.

Nach dem schwersten Terroranschlag in Frankreich seit einem halben Jahrhundert sind die Attentäter laut Medienberichten identifiziert. Die Polizei sucht demnach unter anderem nach zwei Brüdern aus Paris mit französischer Staatsbürgerschaft. Auch der dritte Täter sei identifiziert, hieß es. Die Männer sollen 34, 32 und 18 Jahre alt sein.

Am Mittwoch war praktisch die gesamte Führungsmannschaft des islamkritischen Pariser Satiremagazins "Charlie Hebdo" ermordet worden. Die Staatsanwaltschaft sprach von zwölf Toten, darunter waren auch zwei zum Schutz des Magazins eingesetzte Polizisten.

Tausende demonstrieren

Die Tat löste international Abscheu aus, in Frankreich solidarisierten sich Zehntausende in den Städten mit dem Magazin. Die Mitglieder des UN-Sicherheitsrats verurteilten den Anschlag als "barbarisch", "feige" und "inakzeptabel". Bei ihrer Flucht in einem Auto gaben die Täter weitere Schüsse ab; eine Passantin wurde verletzt. Die Tat wurde auch von Muslimverbänden und anderen Religionen in Frankreich vehement verurteilt. Staatspräsident François Hollande eilte zum Tatort und rief die Nation zur Einheit auf. Er sprach von "Barbarei" und einem "Schock für Frankreich". Nach einer Krisensitzung des Kabinetts erklärte die Regierung, es seien drei Täter am Werk gewesen. Der Staatsanwalt sprach von "mindestens zwei" Angreifern. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, "diese abscheuliche Tat" sei ein Angriff auf die Meinungs- und Pressefreiheit. Auch islamische Staaten wie Katar, Muslimverbände, die EU und die Nato verurteilten die Tat. Zeugen zufolge drangen zwei schwarz vermummte Männer mit Kalaschnikows in die Redaktionsräume ein und schossen kaltblütig um sich. Die Terroristen riefen "Allah ist groß" und "Wir haben den Propheten gerächt". "Sie sprachen perfekt Französisch", sagte die Zeichnerin Corinne Rey, die den Anschlag überlebte, der Zeitung "l'Humanité". Dabei hätten sie behauptet, zu Al-Kaida zu gehören. Der Überfall habe etwa fünf Minuten gedauert.

Der zweite Anschlag

Im Internet kursieren von einem Dach aufgenommene Videos von der Straße vor dem Redaktionsgebäude im Pariser Osten. Darauf ist zu sehen, wie einer der vermummten Täter mit einem Schnellfeuergewehr auf einen bereits auf dem Bürgersteig liegenden Polizisten zugeht und ihn ermordet. Bilder zeigten einen Polizeiwagen mit Einschusslöchern. Unter den Toten sind der Mohammed-Karikaturist und Redaktionsleiter Charb alias Stéphane Charbonnier und sein Leibwächter. "Charlie Hebdo" war mehrfach wegen Mohammed-Karikaturen in die Kritik geraten. Im November 2011 waren nach der Veröffentlichung einer "Scharia"-Sonderausgabe mit einem "Chefredakteur Mohammed" die Redaktionsräume in Brand gesteckt worden. (Kommentar, Seite 2 und 8)
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