Ansturm auf "Mittelstufe Plus"

Der Modellversuch "Mittelstufe Plus" ist sehr beliebt: Teilweise bis zu 75 Prozent der Sechstklässler haben sich für den neunjährigen Gymnasialzug angemeldet.

Die "Mittelstufe Plus" ist wesentlich attraktiver als vom Kultusministerium erwartet. Nach einer Bestandsaufnahme des Philologenverbandes haben sich für den neunjährigen Gymnasialzug, der ab September ergänzend zum G8 an 47 Modell-Schulen angeboten wird, weit mehr als die Hälfte der dortigen Sechstklässler angemeldet. In der Spitze ist von bis zu 75 Prozent die Rede. Schulminister Ludwig Spaenle hatte bei der Vorstellung des Projekts mit einer Anmeldequote von maximal 25 Prozent gerechnet. Laut dem Vorsitzenden des bayerischen Philologenverbandes, Max Schmidt, seien an einzelnen Schulen bereits Bewerber abgewiesen worden, weil sonst nicht eine reguläre G8-Klasse zustandekommen würde.

Oberpfalz im Trend

Die Pilotschulen in der Oberpfalz liegen im bayernweiten Trend. Während am Gymnasium in Neustadt/WN die Daten wegen des laufenden Anmeldeverfahrens noch nicht aussagekräftig sind, meldete das Stiftland-Gymnasium Tirschenreuth einen Trend zu "vermutlich über 50 Prozent". Ähnlich sieht es am Schwandorfer Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium aus. Schulleiter Fritz Pawlick erklärte, viele Eltern versprächen sich von dem zusätzlichen Schuljahr "mehr Kindheit" für ihre Kinder und die Möglichkeit, ihre Persönlichkeit besser reifen zu lassen. Weitere Motive seien der individuelle Leistungsstand oder mehr Zeit für besondere Begabungen.

Spaenle zeigte sich unbeeindruckt. "Ich kenne keine abschließenden Zahlen", erklärte er im Landtag. Man befinde sich in der Phase, den pädagogischen Bedarf zu ermitteln. Eine Debatte auf dieser Grundlage führe lediglich zu Verunsicherung bei Eltern und Schülern. Die "Mittelstufe plus" sei im Übrigen nur ein Teil einer Gesamtstrategie zur pädagogischen Weiterentwicklung des Gymnasiums. Der CSU-Abgeordnete Otto Lederer warnte vor einer Fehlinterpretation der nun veröffentlichten Zahlen. "Es gibt kein G9 in Bayern", betonte er. Erst nach Abschluss der zweijährigen Pilotphase werde entschieden, welche Lernzeitmodelle es künftig am Gymnasium geben werde.

Antrag abgelehnt

Mit den Stimmen der CSU lehnte der Landtag einen Dringlichkeitsantrag der Freien Wähler ab. Diese hatten gefordert, die finanziellen und personellen Ressourcen der hohen Nachfrage an den Pilotschulen anzupassen. Der FW-Bildungspolitiker Günther Felbinger sprach von einem "massiven Scheitern" Spaenles. Dieser wolle die Realität an den Schulen nicht wahrhaben. Kathi Petersen (SPD) rief Spaenle auf, die Zahlen zum Anlass zu nehmen, "sein krampfhaftes Festhalten am G8 zu beenden". (Angemerkt)
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