Anti-Wilderer-Einheit der Polizei gefordert
Grüne wollen SoKo für Umweltkriminalität

Luchse leben gefährlich - immer wieder werden die äußerst seltenen Raubkatzen illegal geschossen. Die Grünen verlangen ein härteres Vorgehen gegen Umweltkriminalität. Symbolbild: dpa
München. (dpa) Vor zwei Wochen wurden in Niederbayern vier abgesägte Luchspfoten entdeckt - jetzt fordern die Landtags-Grünen eine neue Spezialermittlungseinheit des Landeskriminalamts für besonders schwere Umweltdelikte. Den Grundstein dazu solle eine «SoKo Luchs» legen, sagte der Abgeordnete Markus Ganserer am Freitag.

Neben dem LKA soll auch das Umweltministerium eine eigene Stabsstelle für Umweltkriminalität einrichten. Die Grünen wollen das zum Thema im Landtag machen. «Wir müssen per Landtagsbeschluss deutlich machen, dass Umweltkriminalität nicht toleriert wird», sagte Ganserer. «Eine ganze Region droht in Verruf zu geraten.»

2012 war bereits ein Luchsweibchen vergiftet, 2013 ein trächtiges Tier abgeschossen worden. Ganserer vermutet, dass es noch mehr Fälle gibt: «Es ist davon auszugehen, dass regelmäßig Luchse illegal geschossen werden.» Am Mittwoch hatten auch mehrere Naturschutzverbände den Aufbau einer Anti-Wilderer-Einheit der Polizei gefordert.

Das Innenministerium glaubt nicht, dass eine SoKo des LKA effektiver ermitteln würde als die niederbayerische Polizei: «Die Polizei geht davon aus, dass es sich um örtliche Täter handelt. Es macht aus unserer Sicht Sinn, die Ermittlungen vor Ort zu belassen», sagte ein Sprecher. Wenn Spezialwissen erforderlich sei, werde auch bisher schon das LKA eingeschaltet.

Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) hat bereits eine Belohnung von 10 000 Euro ausgesetzt und macht sich nun ebenfalls Gedanken über eine schärfere Gangart: «Um zukünftig bei den Ermittlungen noch schlagkräftiger zu werden, wird das Umweltministerium weitere Gespräche mit den für Staatsanwaltschaften und Polizei zuständigen Ministerien führen», sagte sie. «Dabei werden wir auch erörtern, ob und gegebenenfalls welche organisatorischen Verbesserungen bei der Verfolgung von Artenschutzdelikten möglich sind.»

Im Nationalpark Bayerischer Wald lebt nach Schätzungen derzeit etwa ein Dutzend Luchse. Die Population ist in den vergangenen Jahren nicht gewachsen, obwohl das unter normalen Umständen zu erwarten wäre. Auch das Innenministerium hält es für möglich, dass Wilderer dafür verantwortlich sind. Das geht aus einer Antwort des Ministeriums auf eine Landtagsanfrage der Grünen hervor. Die meisten Jäger freuten sich über die Luchse, sagte Ganserer. «Aber offensichtlich gibt es eine kleine Minderheit, die die Rückkehr des Luchses nicht akzeptieren wollen.»
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