Arbeitnehmern drohen höhere Zusatzbeiträge

Die schon jetzt ungerechte Lastenverteilung verschärft sich nun noch mehr.

Es war schon länger zu befürchten: Bald müssen Krankenkassen den Zusatzbeitrag weiter anheben. Das könnte den Wechsel-Willen der Versicherten steigern.

Arbeitnehmer müssen im kommenden Jahr mit spürbar höheren Beiträgen für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) rechnen. Der Schätzerkreis beim Bundesversicherungsamt in Bonn prognostizierte am Mittwoch eine durchschnittliche Anhebung des Beitrages um 0,2 Prozentpunkte auf 15,7 Prozent, wie der GKV-Spitzenverband bestätigte. Dabei handelt es sich um eine Empfehlung an das Bundesgesundheitsministerium, das in den nächsten Wochen die endgültige Prognose festlegt.

Dieser Anstieg wird über den sogenannten Zusatzbeitrag erbracht, den die Arbeitnehmer allein schultern müssen. Dieser liegt künftig bei durchschnittlich 1,1 Prozent. Den allgemeinen Beitrag von 14,6 Prozent teilen sich die 50 Millionen Kassenmitglieder und ihre Arbeitgeber je zur Hälfte. Damit dürfte sich der Druck auf die Kassen erhöhen. Denn wenn sie ihre Zusatzbeiträge zu stark anheben, könnten sich ihre Mitglieder eine neue Kasse suchen. Zudem verschärfte sich die Diskussion über die paritätische Finanzierung der Krankenkassenbeiträge durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Die SPD-Gesundheitspolitikerin Hilde Mattheis verlangte eine Rückkehr zu einer fairen Finanzierung durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Sie wies darauf hin, man habe sich in der Koalition von Union und SPD verständigt, dass ein zu hoher Zusatzbeitrag nicht akzeptabel sei. "Diese Grenze wird nun gerissen", sagte sie. Der Gesundheitspolitiker der Linken, Harald Weinberg, erklärte, die Schieflage bei den Krankenkassenfinanzen sei absehbar gewesen. "Nun hat es die Bundesregierung schwarz auf weiß, wie stark sie nächstes Jahr die Beitragszahler schröpfen wird. DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach erklärte: "Die schon jetzt ungerechte Lastenverteilung verschärft sich nun noch mehr. Die Arbeitgeber müssen endlich wieder in die Pflicht genommen werden und ihren Anteil an den Kosten übernehmen."

Höhere Verdienstgrenzen

Gut verdienende Arbeitnehmer müssen ab 2016 etwas höhere Sozialabgaben zahlen. Das Bundeskabinett beschloss am Mittwoch eine Verordnung über steigende Beitragsbemessungsgrenzen, bis zu denen Sozialbeiträge aufs Gehalt fällig werden. Demnach steigt die Grenze bei der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung von 4125 Euro auf dann 4237,50 Euro im Monat. Bei der gesetzlichen Rentenversicherung und der Arbeitslosenversicherung soll sie im Westen von 6050 auf 6200 Euro angehoben werden, im Osten von 5200 auf 5400 Euro. Betroffen sind Arbeitnehmer, deren Gehalt über den bisherigen Grenzbeträgen liegt. Der Bundesrat muss noch zustimmen. (Seite 2)
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