Arbeitskräfte willkommen

Innenminister Joachim Herrmann (CSU) präsentierte am Montag das Statistische Jahrbuch für Bayern. Eine Botschaft daraus: Ohne Einwanderer könnte Bayern seine Einwohnerzahlen nicht halten. Bild: dpa

Bayern wächst. Aber nicht, weil die Menschen hierzulande öfter Kinder bekommen, sondern weil mehr Leute in den Freistaat ziehen. Die Mehrheit kommt, weil sie hier Arbeit findet.

Aus islamisch geprägten Staaten gibt es entgegen der von Pegida-Aktivisten verbreiteten Behauptung keine nennenswerte Zuwanderung nach Bayern. Das geht aus dem Statistischen Jahrbuch 2014 hervor, das Innenminister Joachim Herrmann am Montag in München vorstellte. Demnach lag der Kosovo im Jahr 2013 als erstes überwiegend muslimisch geprägtes Herkunftsland mit einem positiven Wanderungssaldo von 996 Personen erst auf Rang 14 der für Bayern bedeutendsten Zuwandererstaaten.

Zurück in die Heimat

In die Türkei setzte sich dagegen der Rückwanderungstrend fort. So verließen Bayern im vergangenen Jahr 1255 Türken mehr als gleichzeitig zuwanderten. Ob der aktuelle Flüchtlingszustrom bezüglich der Religionszugehörigkeit von Zuwanderern zu Verschiebungen geführt hat, ist statistisch noch nicht erfasst.

Laut Jahrbuch lebten zum Stichtag 31. Dezember 2013 gut 12,6 Millionen Menschen in Bayern. Das entspricht gegenüber dem Vorjahr einem Plus von knapp 85 000. Trotz einer um 2,4 Prozent auf 109 562 gestiegenen Geburtenzahl kam der Zuwachs wegen auf 126 903 angewachsenen Zahl der Sterbefälle nur aufgrund der ungebrochenen Zuwanderung nach Bayern zustande. 14 000 Personen zogen per Saldo aus anderen Bundesländern zu, 84 500 aus dem Ausland. Mehr als Dreiviertel davon stammten aus EU-Staaten. Die höchsten positiven Zuwanderungssalden resultierten aus Zuzügen aus Rumänien, Polen, Ungarn und Italien. Herrmann betonte, dass die Integration der Zuwanderer in Bayern besonders gut gelinge. Indiz dafür sei die im Bundesvergleich niedrigste Arbeitslosenquote von Ausländern. Diese liege derzeit bei 8,2 Prozent, im Bundesdurchschnitt bei 13,7 Prozent. "Zuwanderung nach Bayern erfolgt also nicht überwiegend in die Sozialsysteme, sondern in den Arbeitsmarkt", sagte Herrmann. Zwar gebe es auch im Freistaat "Sozialmissbrauch" durch Migranten, der bekämpft werden müsse. Die ganz überwiegende Zahl der Zuwanderer lebe aber in einem Arbeitsverhältnis. Diese beispielhafte Integration in den Arbeitsmarkt werde von den Bayern als "Erfolgsmodell" bewertet.

Geteilter Bezirk

In der Oberpfalz lag der Ausländeranteil bei einer Gesamtbevökerung von 1 077 991 (plus 3000) bei 5,2 Prozent. Bayernweit sind es 9,6 Prozent. Bei der Bevölkerungsentwicklung bleibt die Oberpfalz zweigeteilt. Während die Einwohnerzahl in der Planungsregion Oberpfalz-Nord um knapp 1000 auf 498 358 zurückging, stieg sie im Süden des Bezirks um über 4000 auf annähernd 695 000 an. 2013 gab es im gesamten Bezirk 8647 Geburten (plus 52) und 11 549 Todesfälle (plus 122). Der Sterbeüberschuss stieg damit auf leicht über 2900. Gleichzeitig wanderten 5859 Personen mehr in die Oberpfalz zu als den Bezirk verließen.

Die Zahl der Eheschließungen sank um 280 auf 5248, die der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg um gut 6500 auf 437 897. Von dem Beschäftigungsplus profitierten alle Teilräume des Bezirks. Herrmann erklärte, es sei weiter Ziel der Staatsregierung, mehr Arbeitsplätze in die "ballungsraumfernen Regionen" zu bringen.
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