Asbest-Alarm nach Großbrand

Feuerwehrleute dekontaminieren ein Auto im niederländischen Roermond. Wegen des Asbest-Alarms soll das Zentrum bis Samstag abgeriegelt bleiben. Der krebserregende Stoff war bei einem Brand im Jachthafen freigesetzt worden und hatte sich in großen Teilen der Innenstadt verbreitet. Bild: dpa

Asbest ist krebserregend. In Roermond nahe der deutschen Grenze sind jetzt größere Mengen des Stoffs bei einem Brand freigesetzt worden. Die Fasern liegen auf Dächern und in Gärten. Bewohner gehen mit Mundschutz vor die Tür.

Die Straßen sind menschenleer, die Geschäfte geschlossen, kein Auto fährt. Das niederländische Roermond glich am Mittwoch einer Geisterstadt. In der rund 57 000-Einwohner-Stadt nahe der deutschen Grenze herrschte Asbest-Alarm, nachdem bei einem Brand größere Mengen des höchst gefährlichen Stoffs freigesetzt worden waren. Das Zentrum wurde zum großen Teil abgeriegelt. Der Bürgermeister verhängte eine Notverordnung. Unbefugten war der Zutritt verboten.

"Es liegt überall", sagte Bürgermeister Peter Cammaert im niederländischen Fernsehen. "Auf Straßen, Dächern, in Gärten." Hilfskräfte und Spezialfirmen in Schutzanzügen suchten in der Sperrzone nach Asbest-Resten. Bahnhof und Zufahrtsstraßen wurden gesperrt. Bewohner durften das Gebiet nur an Dekontaminationspunkten verlassen. Dort spritzte die Feuerwehr Autos und Fahrräder ab. Geschäfte und auch zwei Schulen blieben geschlossen. Wann die Notverordnung aufgehoben wird, war noch unklar. "Man riecht überall den Rauch", sagte eine Frau mit Mundschutz und blauen Plastikhüllen um die Schuhe zu einem Reporter. Sie müsse einem Patienten Medikamente bringen. "Und dann schnell zurück", erklärte sie. Auslöser des Asbest-Alarms war ein Großbrand im Jachthafen an der Maas in der Nacht zum Mittwoch. Dutzende Segeljachten wurden zerstört. Aus den Dächern der alten Lagerhallen war Asbest freigekommen. Die Feuerwehr dachte zunächst, dass nur ein Gebiet am Hafen betroffen war. Doch bei Tageslicht zeigte sich dann das Ausmaß: "Es geht um ein ziemlich großes Gebiet", sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Das kann man nicht in ein paar Stunden wegputzen", sagte Bürgermeister Cammaert. Er rief die Einwohner auf, Vorsorge zu treffen. Sie sollen Häuser ohne Schuhe betreten und Fenster und Türen geschlossen halten.

Regen bringt Segen

Die Stadt in der südlichen Provinz Limburg ist nur etwa 35 Kilometer von Mönchengladbach entfernt. Doch für Menschen in Deutschland besteht laut den Behörden keine Gefahr. Der starke Regen hat nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes Asbest-Partikel an Ort und Stelle aus der Atmosphäre nach unten gewaschen. Asbest ist in Europa seit 2005 verboten, befindet sich aber noch in vielen älteren Gebäuden. Werden die Fasern des Mineralstoffs eingeatmet, kann das zu einer chronischen Entzündung in der Lunge und zu Krebs führen.
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