Asyl-Sozialberaterin Andreea Bercea kümmert sich um rund 130 Menschen
Schicksale im Schwebezustand

Das Studium und ein Erasmus-Stipendium haben Andreea Bercea von Rumänien nach Deutschland gebracht. Jetzt setzt die 30-Jährige ihr Fachwissen im Sozialbereich als Mitarbeiterin der Caritas in der Neunburger Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber ein. Bild: Bugl
Neunburg vorm Wald. (bl) Kurz in der Schule anrufen, weil ein Kind krank ist, einen Arzttermin vereinbaren oder sich um eine verlorene Tasche kümmern: 1000 Kleinigkeiten sind es, die auf dem Tisch von Asyl-Sozialberaterin Andreea Bercea landen. Sie kümmert sich um die Sorgen und Nöte von 130 Asylbewerbern.


Vor fünf Wochen hat Andreea Bercea ihr Büro in der Neunburger Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber bezogen. Noch sind die Wände in ihrem Büro kahl, der Internet-Zugang lässt auf sich warten. Doch die Anliegen, die hier auf die 30-Jährige einprasseln, haben Vorrang. Denn wer bei der Asyl-Sozialberaterin der Caritas an die Tür klopft, bringt oft ein ganzes Paket an Lebensumständen mit, das es neu zu ordnen gilt.

Familie in Fülle

Mit 130 Asylbewerbern ist die Unterkunft in Neunburg fast voll belegt. Wie die Managerin einer großen Firma muss die Beraterin Struktur in eine riesigen Familie bringen, in der 14 Nationalitäten aufeinandertreffen. Komplettes Neuland sind die Probleme ihrer Schützlinge hier aber nicht für die 30-Jährige, die Soziale Arbeit studiert hat und als Ausbildungsbegleiterin tätig war. "In dieser Fülle war ich damit aber bisher nicht konfrontiert", gesteht sie. Ein bisschen leichter macht es ihr eigener Hintergrund: Andreea Bercea stammt aus Rumänien, ist als Austauschstudentin nach Deutschland und nach dem Master-Abschluss an der Uni Regensburg hier geblieben. Weil ihre Muttersprache Ungarisch ist, kann sie manchmal auch übersetzen, wenn Englisch nicht mehr weiterhilft.

Wenn die Wörter fehlen

Manchmal hilft ein Online-Wörterbuch, wenn der entscheidende Wortschatz in der Fremdsprache fehlt. Denn einen Dolmetscher gibt es für die Asylsuchenden nur in absoluten Notfällen, beispielsweise bei komplizierten medizinischen Problemen. Bei anderen reicht es, sie mit einem Zettel loszuschicken, nachdem der Termin vereinbart wurde. "Ich habe schon dazugelernt und schreibe jetzt alles auf", berichtet die Sozialberaterin.

"Ich habe mir gemerkt, wo welche Krankenschwester Russisch oder Türkisch kann, das alles hilft uns weiter", erzählt Bercea. "Genau das ist es, was ein Netzwerk ausmacht", bestätigt ihr Chef. Kreiscaritas-Geschäftsführer Wolfgang Reiner. Die 30-Jährige kennt sich aus, wie das mit der Anmeldung von Kindern in der Schule funktioniert, weiß, dass im Krankheitsfall dort ein Anruf fällig ist und hat erfahren, dass auch mancher Erwachsene erst das Alphabet lernen muss, weil er nur die arabische Schrift kennt. Und sie weiß auch, was es für Asylbewerber bedeutet, wenn sie bei knapp 300 Euro monatlich (für Alleinstehende) mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Landratsamt oder gar zum Anwalt nach Regensburg pendeln müssen. Letzteres sei in den ersten drei Monaten ohnehin nur mit Ausnahmegenehmigung möglich, sagt die junge Frau und zieht das 680 Seiten starke Buch mit dem Titel "Ausländerrecht" zu sich heran. "Dabei ist das nur die Kurzfassung", gibt sie zu bedenken.

Kaum Job-Chancen

"Für die Menschen hier ist es vor allem schwer zu verstehen, dass als Asylbewerber nicht arbeiten dürfen", berichtet Bercea. Lediglich Ein-Euro-Jobs kommen da in Frage, und doch gebe es über Ausnahmegenehmigung auch Möglichkeiten für junge Menschen über ein Praktikum bei einer Firma zu landen, wenn es an Arbeitskräften fehlt. Doch das wiederum setzt ein Netzwerk voraus, das nicht von heute auf morgen geknüpft werden kann.



Längst nicht alle der 58 Männer, 32 Frauen und 40 Kinder, die momentan in der Gemeinschaftsunterkunft eine Bleibe gefunden haben, werden dauerhaft in Deutschland unterkommen können. "Es ist nicht leicht, mit dieser Unsicherheit zu leben", weiß die Asyl-Sozialberaterin. Bis sich die Lebenswege erneut gabeln, kann sie zusammen mit vielen weiteren Helfern das Leben der Flüchtlinge zumindest ein wenig erträglicher machen, nicht zuletzt durch Verständnis für diese Schicksale im Schwebezustand. Dazu soll auch ein "Fest der Kulturen beitragen", das voraussichtlich im Juli Menschen aus der Region und die Gäste aus fernen Ländern bei Mahlzeit und Tanz einander näher bringt.
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