Auf dem Gradlhof: Von der stürmischen Ziegen-Liebe bis zum Wasserbüffel-Bad - Heute letzter ...
Da dürfen alle "plärr'n wie die Ochs'n"

Kritischer Blick auf die Konkurrenz: Wer ist schneller? Im Streichelgehege stehen kleine Rutsch-Autos bereit, mit denen man Rennen fahren kann.
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Deutschland und die Welt
10.09.2011
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Hasen und Hühner in allen erdenklichen Formen und Farben - und noch dazu auf Augenhöhe der Kleinen: Die eineinhalbjährige Luise erforscht Zaun und Tier.

Nach vier Stunden suchen die Ziegen immer noch nach Futter in den kleinen Händen, Schmusekatze Minka ist dafür verschwunden und die kleinen Bobby-Cars sollten eigentlich eingeparkt werden. Immerhin ist es langsam Zeit für den Heimweg. Aber es ist eben verdammt schwer, eine Kinder-Herde zum Auto zu treiben, wenn Tiere und Spielgeräte locken. Da helfen auf einmal die Wasserbüffel.

Sie genehmigen sich zum Abschluss noch ein Bad in ihrem Weiher, tauchen sogar komplett unter und schwimmen ein wenig umher. Der Clou: Die Wasserbüffel haben ihr Gehege an der kleinen Zufahrtsstraße. Wer zugucken will, muss bis zum Auto nur noch einen Steinwurf weit gehen - was für ein Glück für die Eltern.

Der Gradlhof in Postbauer-Heng hat für einen Nachmittag die Kinder restlos zufrieden gestellt. Und das mit den einfachsten Mitteln: Tiere streicheln und spielen.

Fleisch direkt vermarktet

Das ist das Konzept für das Streichelgehege südlich von Nürnberg. Über 35 Ziegen hält Helmut Gradl, der gemeinsam mit seinem Sohn Peter (18) und seiner Lebensgefährtin Beate Wimmelbacher (die auch die leckeren Kuchen bäckt) das Anwesen bewirtschaftet. Hinzu kommen Hunde, Katzen, Hühner, Meerschweinchen, Hasen, Enten und sogar ein Pfau.

Alle dürfen von den Besuchern hautnah begutachtet und angefasst werden. Daneben weiden auf dem 30 Hektar großen Areal über 100 Rinder, Auerochsen, Bisons, ungarische Steppenrinder, Dammhirsche und besagte Wasserbüffel. Sie alle werden auf dem Gradlhof "direkt vermarktet". Das heißt, wer Fleisch vom Bauern kaufen will, kann das auf dem Gradlhof tun. Im Brotzeitstüberl gibt's auch einiges davon zu probieren. Sogar Forellen tummeln sich in einem Becken. Sie werden geschlachtet, geräuchert und verkauft. Vor fünf Jahren begann die Familie mit dem Bau des Aussiedlerhofes, seit knapp drei Jahren ist das Gehege für Besucher geöffnet. Eltern, Kinder, aber auch Wandergruppen haben die Möglichkeit, in ländlicher Atmosphäre zu rasten und zu essen.

Kleines Idyll


Bisher nutzten vor allem Kindergärten aus dem Nürnberger Land das kostenlose Ausflugsziel, das vom Bahnhof in Postbauer-Heng aus in rund 20 Minuten zu Fuß zu erreichen ist. Es ist ein kleines Idyll, das sich hier an den sanften Hügel schmiegt. Einmal ganz oben angelangt, werden die Besucher mit einem sagenhaften Panorama-Blick belohnt: Köstlbach oder Pavelsbach - um nur zwei Dörfer zu nennen, die man aus der Vogelperspektive sehen kann. "Mit drei, vier Bier sieht man bis zur Zugspitze", merkt Helmut Gradl spitzbübisch an.

Er selbst findet, dass er mit seinem Hof alles richtig gemacht hat. "Es ist genauso geworden, wie ich es mir vorgestellt habe." Den schönsten Ausblick haben übrigens die Kinder von ihrem Sandspielbereich aus - dem höchst gelegenen Punkt des Areals. Überhaupt stehen die Mädchen und Buben im Mittelpunkt. "Die dürfen hier plärr'n wie die Ochs'n, das stört niemanden", sagt der Hofbesitzer.

Bald eigenes Bier

Nächstes Jahr soll es - neben dem Fleisch - auch eine flüssige Spezialität für Mamas und Papas geben. Sein großes Projekt heißt "Gradlhofbier". Das möchte er künftig selbst brauen, denn "einen Krampf wollen wir nicht verkaufen".

Die Tiere haben alle ihre eigenen Namen: Minka, der Stubentiger, der sich von jedem streicheln lässt, Kira und Resi, die Hirtenhunde, die schon mal aufdringliche Ziegen in die Schranken verweisen, und immer wieder kommt Schnucki dazwischen. So darf man jeden der Böcke bezeichnen, wenn man gerade mal den richtigen Namen nicht weiß. Futter im Eimer gibt's für einen Euro zu kaufen. Aber Vorsicht: Manchmal meinen es die Vierbeiner zu stürmisch mit ihrer Liebe zu Mensch und Leckerei. Das ist aber der einzige Stress, dem man auf dem Gradlhof ausgesetzt ist.
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