Auf den Zahn fühlen

Viele nervt schon das Putzen der eigenen Zähne. Dem Haustier stecken erst recht eher wenige Halter regelmäßig die Bürste ins Maul. Dabei können Zahnprobleme für Tiere richtig gefährlich werden.

Morgens und abends Zähneputzen - das machen die meisten Menschen. Aber wie oft werden die Beißer des Haustiers geputzt? Viele Halter unterschätzen die Zahnpflege bei Hund, Katze und Co. Dabei kann Nachlässigkeit im schlimmsten Fall zu schweren Erkrankungen führen.

Erste Warnsignale beim Hund : Einseitiges Kauen und vermehrter Speichelfluss. Wenn Herrchen das Gebiss seines Hundes nicht immer wieder reinigt, könne es zu Entzündungen, Zahnstein und schließlich dem Verlust von Zähnen kommen, warnt Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund in Bonn. Grund sind oft Futterreste, die zwischen den Zähnen hängenbleiben. Die dabei entstehenden Bakterien gelangten ins Blut und könnten sogar Herzerkrankungen oder Erkrankungen des zentralen Nervensystems verursachen, ergänzt Michael Fehr von der Tierärztlichen Hochschule Hannover.

Extrem stumpfes Fell

"Zahnprobleme lassen sich beispielsweise an einem vermehrten Speichelfluss, einseitigem Kauen und üblem Geruch erkennen", sagt Schmitz. Verliert der Hund beim Fressen Futter aus dem Maul oder frisst schlechter als gewohnt, seien das ebenfalls Anzeichen für Zahnschmerzen. "Ist das Tier bereits abgemagert oder hat es ein extrem stumpfes Fell, leuchtet die Alarmstufe Rot." Damit es erst gar nicht so weit kommt, sollten Besitzer die Zähne ihres Hundes jeden zweiten Tag putzen. Dabei verwenden sie am besten eine weiche Zahnbürste, sagt Schmitz. Von Hundezahnpasta rät sie ab, da viele Tiere den Geschmack nicht mögen.

"Die Zähne des Vierbeiners lassen sich am besten in kreisförmigen Bürstenbewegungen reinigen." Gleichzeitig sollte auch die Maulhöhle des Hundes kontrolliert werden. Weiterer Vorteil: "Als Nebeneffekt wird durch die Beschäftigung mit dem Tier eine gute Hund-Mensch- Beziehung gefördert", sagt Fehr. Auch die Ernährung spielt eine Rolle. So schütze spezielles Trockenfutter vor Zahnstein, sagt Schmitz. Zusätzlich hilft ein Kauknochen, dass sich Futterreste nicht zwischen den Zähnen ablagern. Wer den Hund schon im Welpenalter an die Zahnpflege gewöhnt, werde damit auch später keine Probleme haben, meint Schmitz. Aber auch ältere Tiere lassen sich mit Geduld und etwas Training ans Putzen gewöhnen.

Auch Katzen leiden oft unter Zahnproblemen. "Vor allem Zahnstein und wundes Zahnfleisch kommt sehr häufig vor", sagt Susanne von Pölnitz von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten in Hamburg. Später im Alter werden die Zähne oft lose, müssen gezogen werden oder fallen aus.

Ob eine Katze Zahnschmerzen hat, ist für Besitzer nicht so leicht zu erkennen. "Im Gegensatz zu anderen Tieren fressen Katzen auch noch bei massiven Zahnschmerzen, ohne sich etwas anmerken zu lassen", sagt Fehr. Lasse das Tier aber plötzlich sein Trockenfutter links liegen und fresse nur noch Nassfutter, sollte der Halter aufmerksam sein, sagt von Pölnitz. Außerdem knirschten die Katzen häufig mit den Zähnen und würden sich vermehrt mit der Pfote über das Maul streichen, fügt Fehr hinzu.

"Auch einer Katze kann man die Zähne putzen, jedoch sollte sie erst langsam daran gewöhnt werden", empfiehlt von Pölnitz. Das funktioniert am besten spielerisch. Lässt die Katze es zu, sollten Halter ihr sogar täglich die Zähne putzen. Im Handel gibt es außerdem Leckerlis extra für die Zahnpflege. "Davon sollte die Katze aber nicht zu viel bekommen, da sie sonst zu pummelig wird", meint von Pölnitz. Einmal im Jahr muss das Tier zur Kontrolle beim Arzt: "Bei dieser Routineuntersuchung werden auch die Zähne gecheckt."

Obwohl Nager meistens nicht sehr alt werden, leiden auch sie oft unter Zahnproblemen. "Die Zähne der Tiere haben ein Dauerwachstum, das heißt, sie wachsen ein Leben lang weiter", sagt Lea Schmitz. Werden die Zähne nicht genug abgerieben, kommt es zu Zahnproblemen, die der Tierarzt behandeln muss. Gesunde Zähne erkennen Halter problemlos daran, dass ihr Nager normal frisst. Speichelfluss am Maul ist dagegen ein Hinweis, dass etwas nicht in Ordnung ist. Das gilt auch, wenn das Meerschweinchen oder Kaninchen - oder ein anderer Nager - weniger frisst.

Richtiges Futter für Nager

Dann beginnt oft ein Teufelskreis. "Das Tier hat eine Zahnfehlstellung und nimmt deswegen zunehmend weniger Futter auf", sagt Schmitz. "So kann es weniger kauen, und die Zahnfehlstellung wird noch verstärkt." Am besten lassen sich die Nager-Zähne mit dem richtigen Futter pflegen. "Heu, Gras und Stroh sollten immer auf dem Speiseplan stehen", rät von Pölnitz. Körnerfutter ist dagegen nicht so gut, weil es zu viele Kalorien hat und die Zähne nicht genug abreibt. Sind die Beißerchen schon schief gewachsen, hilft nur noch ein Besuch beim Tierarzt.
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