Auf Herz und Nieren

Wird an deutschen Kliniken im Vorfeld von Organtransplantationen gemauschelt? Prüfer haben diesmal lediglich am Herzzentrum in Berlin Manipulationen nachgewiesen - das aber hatte sich selbst angezeigt. Archivbild: dpa

Ein neuer Skandal bleibt diesmal aus: Bei Organvergabe-Kontrollen in deutschen Kliniken sind die Prüfer nur einmal auf systematische Manipulation gestoßen - am Deutschen Herzzentrum in Berlin. Das allerdings war keine Überraschung.

Es war buchstäblich eine Prüfung auf Herz und Nieren: Zum zweiten Mal nach dem Organspende-Skandal in Göttingen haben Kontrolleure Transplantationen an deutschen Kliniken unter die Lupe genommen.

Dabei entdeckten sie mit dem Deutschen Herzzentrum in Berlin erneut ein schwarzes Schaf: In bisher 14 Fällen haben Ärzte dort Patientendaten systematisch manipuliert, um den Schwerkranken bessere Chancen auf ein Spenderorgan zu eröffnen. Das berichtete die Prüfungskommission am Dienstag in Berlin.

Eine gute Nachricht

Zu dieser schlechten Nachricht kommt aber auch eine gute: Nach Einschätzung der Kontrolleure gab es bei allen anderen überprüften Kliniken nur wenige kleine Fehler - und keine absichtlichen Täuschungen. Damit verbinden die Prüfer die Hoffnung, dass die Bundesbürger wieder mehr Vertrauen in die Organvergabe fassen - und auch wieder mehr Organe spenden (siehe Infokasten). Denn die entdeckten Manipulationen und die Organspende sind fatal miteinander verknüpft.

"Mehr Transparenz ist da", betonte Hans Lilie, Vorsitzender der Ständigen Kommission Organtransplantation bei der Bundesärztekammer. Der Strafrechtsprofessor war entsetzt, als 2012 der erste Verdacht auf Göttingen fiel. Er sieht das System nach diesem Schock aber grundlegend geläutert. Statt eines Arztes wachen heute bis zu zwölf Augen über eine Aufnahme auf Organ-Wartelisten. "Das ist kein undurchsichtiger Gnadenakt wie manche Patientenschützer glauben", sagte Lilie.

Er geht davon aus, dass Kliniken Krankenakten im Nachhinein nicht "frisieren" können, um Manipulationen zu verbergen. So ergebe sich durch die Prüfungen ein realistisches Bild. "Ein ganz positives Fazit", urteilt Anne-Gret Rinder, Vorsitzende der Prüfungskommission der Bundesärztekammer. Allerdings können die Prüfer nur Stichproben machen. Die Juristen im Kontrollteam geben auch offen zu, dass sie auf den Sachverstand von Ärzten angewiesen sind, die Ärzte kontrollieren.

Das Grundproblem, das es bereits vor dem Skandal gab, ist aber ein anderes - und es bleibt: Es gibt viel zu wenige Spenderorgane. Wären es mehr, würde der Druck auf eine schwierige ethische Frage gemindert: Welcher schwerstkranke Patient darf weiterleben? Und wer muss trotz Dringlichkeitslisten und guten Erfolgsaussichten sterben?

Frage nach dem Warum

Über die Gründe für die nachgewiesenen Manipulationen an Kliniken können die Kontrolleure bisher auch nur rätseln. Die Frage nach dem Warum habe sich auch beim Deutschen Herzzentrum bisher nicht klären lassen, sagte Anne-Gret Rinder. Die Klinik hatte sich bereits im August nach Kontrollen selbst bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Die ermittelt bereits wegen versuchten Totschlags.

Nur soviel ist bisher klar: Privatpatienten wurden nicht bevorzugt. Auch in Göttingen soll es früher nicht um Geld gegangen sein. Wenn Kliniken Vorteile haben, kann es eher um Karrieren oder Transplantationszahlen gehen. Vielleicht manchmal aber auch um Mitleid mit Patienten.
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