Aufarbeitung einer Katastrophe

Rund um die Absturzstelle der Germanwings-Maschine in Frankreich arbeiten die Bergungskräfte unter schweren Bedingungen. Aus Hubschraubern müssen sie sich auf schmalsten Bergkämmen absetzen lassen. Bild: dpa

Die Germanwings-Katastrophe bedeutet nicht nur unfassbares Leid für die Angehörigen der Opfer. Sie dürfte auch viele Millionen kosten. Zudem sind neue Details über den Copiloten ans Tageslicht gekommen.

Die Verkehrsfliegerschule der Lufthansa wusste während der Ausbildung des Copiloten der Germanwings-Unglücksmaschine von einer vorausgegangenen Depression. In einer E-Mail habe der damalige Flugschüler 2009 im Zusammenhang mit der Wiederaufnahme seiner Ausbildung die Verkehrsfliegerschule über eine "abgeklungene schwere depressive Episode" informiert, teilte die Lufthansa am Dienstagabend mit.

Bereits bekannt war, dass der Copilot des Germanwings-Flugs 4U9525, Andreas Lubitz, in seiner Ausbildung in der Verkehrsfliegerschule eine Unterbrechung von mehreren Monaten gehabt hatte. "Im Anschluss wurde dem Co-Piloten die erforderliche ärztliche Flugtauglichkeit bestätigt", heißt es in der Lufthansa-Mitteilung.

Identifizierung dauert

Für die Kosten der Germanwings-Katastrophe stellt unterdessen ein Versicherungskonsortium nach Angaben der Lufthansa 300 Millionen US-Dollar (278 Millionen Euro) zurück. Das Geld sei gedacht für Entschädigungszahlungen an die Hinterbliebenen, den zerstörten Airbus A320 und Betreuungsteams, sagte ein Sprecher des Konzerns, zu dem Germanwings gehört, am Dienstag in Frankfurt.

Bereits mehr als 450 Angehörige der Opfer reisten seit dem Unglück in die Region. Das sagte die Präfektin des Bezirks Alpes-de-Haute-Provence, Patricia Willaert, am Dienstag auf einer Pressekonferenz. Zu der Absturzstelle in den Alpen konnten die Ermittler eine Woche nach dem Unglück erstmals über eine eigens errichtete Behelfsstraße in Geländewagen gelangen. Das soll die weitere Suche nach den Opfern und dem noch vermissten Flugdatenschreiber in dem zerklüfteten Gelände erleichtern. Aus Düsseldorf brach am Dienstag ein deutsches Ermittlerteam dorthin auf. Die Bundeswehr unterstützt die Bergung mit zwei Hubschraubern, wie das Verteidigungsministerium mitteilte. Die endgültige Identifizierung der Toten kann laut Experten der Gendarmerie mehrere Monate dauern.

Der Airbus war am Dienstag vor einer Woche auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf an einer Felswand zerschellt. Der 27 Jahre alte Copilot wird verdächtigt, seinen Kollegen aus dem Cockpit ausgesperrt und die Maschine mit Absicht in die Katastrophe gesteuert zu haben.

Keine Konzernfeier

"Aus Respekt vor den Opfern des Absturzes von Flug 4U9525" sagte Lufthansa die für den 15. April geplanten Feierlichkeiten zum 60. Konzernjubiläum ab. Lufthansa-Chef Carsten Spohr will am Mittwoch mit Angehörigen im Betreuungszentrum in Marseille zusammenkommen. Germanwings-Chef Thomas Winkelmann dankte den Helfern in einer Videobotschaft. Das Unternehmen werde weiterhin alles in seiner Macht Stehende tun, um den Hinterbliebenen zu helfen.

Die Erkenntnisse über die psychischen Probleme des Copiloten Andreas Lubitz haben eine Diskussion über die Lockerung der ärztlichen Schweigepflicht für sensible Berufe ausgelöst. Der Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer, Rainer Richter, lehnt eine Lockerung ab. "Die Schweigepflicht ist in Fällen, in denen Patienten andere Personen gefährden, nicht das Problem", sagte Richter der Deutschen Presse-Agentur. "Schon jetzt sind Ärzte und Psychotherapeuten befugt, die Schweigepflicht zu durchbrechen, wenn sie dadurch die Schädigung Dritter verhindern können."
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