Aufrechter Abschied

Der Rücktritt von Peter Gauweiler hat viele Reaktionen ausgelöst. Wissenschaftler sagen, sein Schritt sei eine Herausforderung für die CSU.

Die Politikwissenschaftlerin Ursula Münch sieht in dem Rücktritt Peters Gauweilers eine enorme Herausforderung für die CSU. Die Partei müsse sich jetzt klar darüber werden, in welche Richtung sie in der Euro- und Europa-Politik gehen wolle und wo die eigenen Grenzen seien, sagte Münch der dpa. Sonst drohten der CSU - mehr noch als anderen Parteien - Wähler verloren zu gehen, etwa an die "Alternative für Deutschland".

Bei Gauweiler komme hinzu, dass es niemanden in der CSU gebe, der dessen Rolle übernehmen könne oder wolle, erklärte die Direktorin der Tutzinger Akademie für Politische Bildung. Gauweiler aber könne sich jetzt als derjenige hinstellen, der als einziger in der CSU nicht alles mit sich machen lasse. "Und bei denen, die die Euro-Rettungspolitik kritisch betrachten, kommt das gut an, nach dem Motto: Endlich einer, der konsequent ist." Münch betonte allerdings, Gauweiler habe sich seine kritischen Positionen in all den Jahren ohne Probleme erlauben können. "Für den einzelnen Abgeordneten ist das einfach, nicht aber für eine Partei, die in Regierungsverantwortung ist. Die muss eben Kompromisse machen."

Lob von Lafontaine

Der CDU-Abgeordnete Wolfgang Bosbach, ebenfalls ein prominenter Kritiker der schwarz-roten Euro-Rettungspolitik, sagte der "Passauer Neuen Presse", er teile Gauweilers Kritik. Allerdings betonte er, nach seiner Erfahrung in Sachen Abstimmungsverhalten zur Euro-Frage werde kein Druck auf die Bundestagsabgeordneten der Union ausgeübt. Der Linke-Politiker Oskar Lafontaine lobte den CSU-Politiker, der sich "nicht verbiegen" lasse. Er sagte "Bild": "Griechenland ist seit 2010 pleite. Peter Gauweiler hat immer wieder darauf hingewiesen. Jetzt zieht er die Konsequenzen. Bravo." Lafontaine fügte hinzu: "Der aufrechte Gang ist schwer. Peter Gauweiler geht ihn."
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