Ausbau der Jugendsozialarbeit an Schulen gestoppt
Wichtig, wertvoll, nicht bezahlbar

Symbolbild: dpa
Weiden. (rg) Die CSU bezweifelt den Erfolg der Jugendsozialarbeit an Schulen. Die SPD hält den Einsatz der Sozialpädagogen für wertvoll. Zwei Meinungen, das selbe Ergebnis: Der weitere Ausbau ist vorerst gestoppt.

Sie kümmern sich um Schulverweigerer ebenso wie um auffällig aggressive Jugendliche, sprechen auch mit den Eltern, binden die Kinder bei Projekten gegen Sucht oder übermäßigen Handygebrauch ein. Jugendsozialarbeiter an Schulen seien "wichtiger denn je" - das stellte Bürgermeister Lothar Höher noch im März im Jugendhilfeausschuss unwidersprochen fest. Bisher wirken die Fachkräfte an Albert-Schweitzer-, Gerhardinger- und Wirtschaftsschule. Der weitere schrittweise Ausbau schien aufgrund der guten Erfahrungen nur noch Formsache zu sein. Bis Dienstag.

Denn da trat der Finanzausschuss auf die Bremse. Nach einem Plan, den der Stadtrat 2012 genehmigte, hätten zum Halbjahr die Hammerweg-, zum neuen Schuljahr die Rehbühlschule Jugendsozialarbeiter bekommen sollen. Daraus wird nichts: Es fehlt am Geld. "Die Kosten im Bereich Soziales laufen aus dem Ruder", warnte Stadtkämmerin Cornelia Taubmann. CSU-Fraktionschef Wolfgang Pausch stimmte zu: "Es geht schlechterdings derzeit nicht." Überhaupt würde Pausch die Jugendsozialarbeit insgesamt gerne zurückfahren: Das einstige Argument der Befürworter, dass wegen dieser Sozialarbeit weniger Heimunterbringungen nötig wären, habe sich als falsch erwiesen. "Im Gegenteil: Es werden immer mehr." Wie später Jugendamtschefin Bärbel Otto entgegnete, sei es unmöglich, hier Zusammenhänge herzustellen. Als "auf fachlicher Ebene sehr hilfreich" und "notwendige Ergänzung zum Unterricht" rühmte SPD-Fraktionsvorsitzender Roland Richter das Wirken der Sozialpädagogen. "Es gibt sehr wohl Bedarf." Aber: "Es verbietet sich, weitere Personalkosten zu schaffen."

Eine Argumentation, die Karl Bärnklau (Grüne) irritierte. Eigentlich, so meinte er, müsste Richter dann doch für den Ausbau der Jugendsozialarbeit stimmen. Bärnklau scheiterte schließlich mit seinem Kompromissvorschlag, nur eine der vorgesehenen Schulen zu bedienen. Allein Reinhold Wildenauer (Bürgerliste) unterstützte ihn.

Freistaat soll zahlen

Alles wäre kein Problem, würde der Freistaat die Kosten übernehmen, betonte OB Kurt Seggewiß. Doch "der, der bestellt, bezahlt das nicht". Dr. Matthias Loew immerhin wusste von einem Ministerratsbeschluss, wonach die Staatsregierung die Übernahme der Hälfte der Kosten ab 2017 oder 2019 in Aussicht stelle. Zu vage, fand Seggewiß. Dass die Stadt als Sachaufwandsträger für die Schulsozialarbeit aufkommen muss, sei einfach nicht nachvollziehbar.

Reinhard Meier (Bürgerliste) hätte die Finanzmittel für das Schülercafé lieber für die Jugendsozialarbeit verwendet. "Damit hätten wir mehr Schüler erreicht." Meier war am Ende der einzige, der am Ausbau der Jugendsozialarbeit festhalten wollte. Die große Mehrheit aus SPD, CSU und OB entschied sich dafür, von weiteren Einstellungen abzusehen.
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