Ausflug endet in Katastrophe

Videoaufnahmen der weiträumig abgesperrten Unfallstelle zeigen das Ausmaß des schweren Unglücks. Der Bus und der Lastwagen, die zusammenstießen, sind ausgebrannt. Nur wenige Passagieren konnten sich aus dem Wrack des Reisebusses retten. Bild: AFP/BFM TV

Bei einem Zusammenstoß mit einem Lastwagen wird ein Reisebus für eine Seniorengruppe zur Todesfalle. Frankreich steht unter Schock.

Es soll ein Tagesausflug werden und endet nach wenigen Kilometern in einer Tragödie auf einer kleinen französischen Landstraße. Nur acht Insassen können sich nach dem Zusammenstoß mit einem Holztransporter aus dem brennenden Bus retten, mindestens 43 Menschen sterben in den Flammen. Und ein ganzes Land steht unter Schock.

In den kleinen Dörfern des Weinbaugebiets Saint-Émilion im Osten von Bordeaux kenne jeder jeden, sagt der Anwohner Nicolas dem Sender BFMTV. "Das hätten meine Großeltern sein können." Eine Frau ergänzt: "Das trifft jeden." Nur wenige Kilometer vom Unglücksort entfernt war der Reisebus am Morgen losgefahren, organisiert vom örtlichen "Verein des dritten Alters". Ziel war der Ort Arzacq-Arraziguet im Vorland der Pyrenäen. Nach einem Bericht des Fernsehsenders France 3 wollten die Rentner dort das Haus des Bayonne-Schinkens besuchen, einer regionalen Spezialität.

Verzweifelter Versuch

Der Busfahrer sah das Unglück wohl kommen. In einer Kurve geriet plötzlich ein entgegenkommender, unbeladener Holztransporter aus der Spur - so erzählt jedenfalls später der Bürgermeister von Puisseguin die Szene. Der Fahrer versucht auszuweichen, vergeblich: "Er konnte nur noch den Türmechanismus betätigen, um es einigen zu ermöglichen, den Bus zu verlassen", sagt Xavier Sublett. Für die anderen wird der Bus zur Todesfalle. "Wenn ein Feuer ausbricht, ist die Flucht quasi unmöglich", sagt Philippe Courtois, Anwalt der nationalen Vereinigung der Unfallopfer, dem Sender BFMTV.

Von den Ermittlern bestätigt werden die Informationen über den Hergang zunächst nicht, eine Untersuchung soll die Ursache klären. "Etwa gegen 7.40 Uhr habe ich einen lauten Knall gehört, der mich aufgeweckt hat", erzählt Anwohner Jérôme Vinatier dem Sender France Info. Die scharfe Kurve in einem Waldgebiet sei sehr gefährlich, "aus dem einfachen Grund, dass Sie auf 100 Metern nichts sehen". "An diesem Ort bin ich stets sehr vorsichtig, und man kann kaum schneller fahren als 50 Stundenkilometer. Ich begegne dort regelmäßig Lastwagen, die für meinen Geschmack viel zu schnell fahren, aber es gibt keine besondere Geschwindigkeitsbegrenzung." Der Grünen-Abgeordnete Noël Mamère, der in der Region seinen Wahlkreis hat, hält die Kurve für einen Unfallschwerpunkt. Möglich, dass der Fall - das schwerste Busunglück seit 33 Jahren - die Diskussion um die Verkehrssicherheit in Frankreich noch einmal anheizt. Schon im Sommer hatte das Thema nach einem Anstieg der Verkehrstoten die Gemüter bewegt. Doch zunächst steht die Betroffenheit im Vordergrund. In Puisseguin werden Angehörige von Psychologen betreut, die Nationalversammlung legt eine Schweigeminute ein. Premierminister Manuel Valls eilt an den Unfallort. "Das ist ein furchtbarer Schock für Frankreich", sagt er. "Heute sind Frankreich und die Franzosen in Trauer."
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