Backofen im Feuer

Unmittelbar neben dem Landrichterschloss (links) und im Sichtfeld des Steinstadels soll der Backofen nach historischem Vorbild wieder aufgebaut werden. Seine Länge entspricht der alten Mauer (rechts), die zum Schutz gegen Feuchtigkeit mit einer Folie überdeckt ist. Bild: bey

Braucht der Markt für zweimaliges Anschüren im Jahr einen Backofen für 81 000 Euro? Muss die Historie unbedingt mit einem kostenaufwendigen Baustil nachgewiesen werden? Mit dem Versuch, auf diese Fragen die passenden Antworten zu finden, beschäftigte sich der Marktrat knapp eine Stunde lang.

Parkstein. (bey) Der Beschluss mit 13:1 Stimmen bedeutet jedenfalls erstmals ein Signal in Richtung Sparsamkeit: Die Planung ist zu überdenken, eine räumliche Reduzierung des Backofens zu überlegen, das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege in die neuen Überlegungen mit einzubeziehen.

Ein Schock

Bürgermeisterin Tanja Schiffmann erinnerte daran, dass der Marktrat noch in seiner vorhergehenden Besetzung dem Architekturbüro Armin Juretzka den Planungsauftrag für den Backofen erteilt hatte. Juretzka zeigte, dass ein Backofen neben dem Landrichterschloss historisch nachgewiesen sei.

Problem bei der Realisierung des Vorhabens seien die jetzt vorhandenen Höhenlagen auf dem Grundstück, die einen Backofenbau schwierig machten. Das bedeute, dass das vorhandene, rund 1,40 Meter tief gelegene Mauerwerk konserviert werden müsse. Darauf könne dann der Backofen mit festen Verankerungen gebaut werden. Der Statik komme besondere Gewichtung zu. Im Detail regte der Architekt die Anbringung einer Dachrinne an, um das Mauerwerk im Erdreich durch herabtropfendes Wasser zu schützen und auch Wasser vom Nachbargrundstück fernzuhalten.

Die Kostenaufstellung Juretzkas sorgte für einen sichtbaren Schock: War bei der ersten Planung 2012 noch von Kosten in Höhe von 24 000 Euro ausgegangen worden, stehen jetzt 81 000 Euro im Raum. Davon entfallen 43 000 Euro auf das Bauwerk, 16 000 Euro auf Nebenanlagen und 22 150 Euro auf Baunebenkosten.

Auf Historie bestanden

Zweite Bürgermeisterin Lydia Ebneth wollte sich daran erinnern, dass das Landesamt für Denkmalpflege bei einem Backofenbau nicht unbedingt auf dessen Historie bestanden habe. Architekt Juretza widersprach und meinte, dass die Historie wohl 1,40 Meter tiefer liege, die Denkmalschützer aber wohl ein historisches Bauwerk erkennen wollten. Martin Bodenmeier wollte wissen, ob es eine Möglichkeit gebe, das Vorhaben zum ursprünglichen Preis plus etwa 10 000 Euro zu erstellen. Der Planer sah hier nur die Möglichkeit, bei der Gestaltung der Ofenkammer einzusparen. "Der Backofen sollte für ein entsprechendes Fest aber ausreichen. Eine Gefährdung der Gesamtfinanzierung des Vorhabens Landrichterschloss sieht der Architekt bei einer von der Historie abweichenden Planung nicht, und beantwortete damit die Frage von Josef Scheidler.

Johannes Kick sah die Notwendigkeit, die gesamte Planung zu überprüfen. Ob bei zweimaligem Anheizen des Backofens der Aufwand notwendig sei, müsse überlegt werden, räumte Bürgermeisterin Tanja Schiffmann ein. Keinen Luxus, nur eine Funktionsfähigkeit erwartet sich Alfons Plößner. Mit 13:1 Stimmen entschied das Gremium, die Planung zu überdenken und eine Reduzierung des baulichen Umfanges nicht außer Acht zu lassen. "Wir brauchen keinen Schnick-Schnack", meinte Bürgermeisterin Schiffmann zu dem laut Planung 5,40 Mal 3,40 Meter großen Backofen.
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